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BeitragVerfasst: So 6. Nov 2011, 16:51 
Hallo,

Ich mach ein kleines Projekt mit einer 6.ten Schulklasse. Sie sollen die Handspindel ausprobieren und ein wenig Garn/Faden herstellen. Im Anschluss sollen sie "schätzen", wie lange es dauert, ein 100g Knäuel aus kardierter Wolle mit der Handspindel herzustellen. Leider habe im Moment keine Zeit und Wolle das Ganze in einem Selbstversuch zu testen. Meine Schätzung wäre 2-3 Stunden. Würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen spielen lasst und diese "Schätzung" bestätigen oder berichtigen könntet.

Mfg
Hannes


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BeitragVerfasst: So 6. Nov 2011, 17:00 
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Flügelspinnrad

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Land: Deutschland
Hallo Hannes,

das kommt wohl auch drauf an, wie geübt der Spinner/ die Spinnerin ist, wie dünn das Garn werden soll, ob es "nur" ein Single oder auch gezwirnt sein soll.

Ich spinne mittlerweile mit dem Rad, war aber beim Handspindeln stolz, wenn ich ich in einer Stunde ca 10g halbwegs fein gesponnen Single geschafft habe.

LG, Hummelbrummel

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BeitragVerfasst: So 6. Nov 2011, 17:05 
Ah Klasse vielen Dank für die fixe Antwort.

Je länger es dauert, desto besser ist es eigentlich ;).
Die Schüler sollen verstehen, wie schwierig es für Menschen in der Jungsteinzeit war, Kleidung aus Wolle herzustellen und wie wertvoll so etwas im Gegensatz zu heutigen maschinell hergestellten Textilien war.
Ich müsste meine Zahl also drastisch nach oben schrauben. Etwa 10 Stunden also für brauchbares Garn. Das macht schon Eindruck und Respekt für die Arbeit.


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BeitragVerfasst: Mo 7. Nov 2011, 18:32 
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Navajo-Spindel

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Antwort ohne folgende Daten nicht möglich:
1. wie schwer sind die Handspindeln und wie groß ist ihr Durchmesser? Anfängerspindeln sind oft 80g schwer, Fußspindeln und recht breit, damit kann man nur Seile spinnen, das heißt 100g habe ich nach ein paar Minuten.
2. welche Lauflänge an Faden soll als Vergleich dienen? Ich brauche sowohl am Spinnrad als auch an der Handspindel (schnelle Kopfspindel 15-20g) viele Stunden, wenn ich Garn von etwa 15.000m/kg herstellen will (was ich meist tue). Durchschnittliche Arbeitsleistung bei beiden (Rad/Spindel): ca. 150m pro Stunde (s.a. mein Buch), d.h. wenn ich mich nicht verrechnet habe 10g/h, was der Antwort von Hummelbrummel entspricht. Das Zwirnen wäre dann noch nicht eingerechnet, erstmal braucht man die doppelte Menge und der Zwirnvorgang dauert nochmal etliche Stunden.

Sigrid

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Geschichte und Bedeutung des Spinnrads in Europa, gebunde Ausgabe, Shaker-Media-Verlag
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BeitragVerfasst: Mi 9. Nov 2011, 13:47 
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Taiga-Rad

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Hier ein paar konkrete Werte aus der Spin-Off vom Frühling: bei einem kleinen Wettbewerb anlässliche eines Spinn- und Webtreffens in den Anden kamen folgende Meterzahlen für 2 Minuten spinnen raus:

Kinder (7 - 13 Jahre): 1 - 3+ m
Junge Frauen (14 - 30): 3 - 6+ m
"Veteranen" (30+): 3 - 6+ m

Die meisten erfahrenen Spinner spannen 5 - 6 m in 2 Minuten. Und fast alle mit der Handspindel! Die wenigen Spinner mit Spinnrad (Schacht Ladybug) waren teils etwas schneller als die besten Spindler, teils langsamer.

Da ich vermute, dass die Frage im Zusammenhang mit der nach der Wollvorbereitung in der Jungsteinzeit steht, hier noch ein paar Infos (nach Fabienne Médard: Les activités de filage au Néolithique sur le Plateau Suisse). Die Mehrheit der gefundenen Spinnwirtel aus gebranntem Ton liegt, je nach Fundort, bei 25 - 45 g, 15 - 45 g, 10 - 25 g. Also kleine Spindeln für feines Garn. Ausserdem schreibt Ménard, dass es zwakeine Wollfunde aus der Zeit gibt, noch Beweise für Wollschafe, sie aber annimmt, dass die zunehmende Zahl von leichteren Spinnwirteln und Webstuhl-Gewichten gegen Ende der Jungsteinzeit darauf hindeutet, dass vermehrt Wolle (was dann wahrscheinlich die kurzfasrige Unterwolle von mischwolligen Schafen war) gesponnen und verwebt wurde.

Ciao, Klara

PS: Erzähl' und doch bitte, wie die Kids mit den Spindeln zurecht kamen. Danke im voraus!

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BeitragVerfasst: Mi 9. Nov 2011, 14:02 
Hey!

Super, danke für die Angaben. Da hab ich etwas mehr für die Rechtfertigung meines "Handwerkes" der Jungsteinzeit.
Ich habe morgen Prüfung zum 2.Staatsexamen und werde die Kinder dort jeweils zu zweit mit einer Holzspindel arbeiten lassen. Getestet habe ich es schon in einer Parallelklasse (6.te Klasse). Einige kamen nur schwer mit der Aufgabe zurecht, während andere richtig gute Fäden bis zu 2 Meter innerhalb von 10 - 15 Minuten gesponnen haben. Allerdings waren die Spindeln so vorbereitet, das man nurnoch oben "anknüpfen" musste.

Für morgen habe ich auch schönere "fettige" Wolle vom Krainer Steinschaf, das wohl ein Nachkomme des Torfschafes ist, wie es in der Jungsteinzeit lebte. Die Fasern sind noch einigermaßen rau und hoffentlich ansatzweise authentisch (auch, wenn es kein Fell mehr ist, wie die Schafe es damals wohl noch hatten). Freu mich jedenfalls drauf.

Ich werde weitere Erfahrungen miteilen!

Grüße
Hannes


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BeitragVerfasst: Mi 9. Nov 2011, 18:23 
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Taiga-Rad

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Mit den "einigermassen rauhen Fasern" kann man u. U. ganz schief liegen (was nur zur allgemeinen Info ist - deswegen musst du für morgen nichts ändern ;) ). Weil nämlich die Unterwolle von mischwolligen domestizierten Tieren, oder auch Wildformen des Schafs, extrem fein sein kann - Kaschmir-Qualität (eigentlich nicht verwunderlich - Kaschmir ist ja auch nur Ziegen-Unterwolle). Da ich davon ausgehe, dass die Jungsteinzeitlerin auch nicht blöder war als wir heute, würde ich vermuten, dass sie gezielt Unterwolle gesammelt, oder vielleicht auch die abgeschabten Haare von geschlachteten Schafen getrennt hat, und zu absolut kuschelig weichem Garn versponnen hat. Wenn sie denn überhaupt Wolle gesponnen hat - Menard äussert ja auch nur eine Vermutung (immerhin in einer Veröffentlichung, die auf ihrer Doktorarbeit basiert). Die gefundenen Garn- und Textilreste beruhen alle auf Pflanzenfasern (zumindest auf dem Schweizer Plateau - wie's woanders aussieht bin ich zu wenig informiert.) Falls die Schafe damals ein kurzhaariges Fell gehabt haben sollten, dürften die Grannenhaare eher nicht spinnbar gewesen sein, da zu steif für die Kürze (bei spinnbaren Fasern muss das Verhältnis Länge/Durchmesser stimmen. Baumwolle ist sehr kurz, aber sehr fein. Die Grannenhaare von manchen Schafrassen sind so dick wie ein Pferdemähnenhaar, aber 30 cm lang - die sind auch problemlos verspinnbar. )

Viel Glück fürs Examen!

Klara

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BeitragVerfasst: Mi 9. Nov 2011, 18:23 
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Taiga-Rad

Registriert: Sa 12. Jul 2008, 12:48
Beiträge: 907
Postleitzahl: 44670
doppelt geschickt, sorry!

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BeitragVerfasst: Fr 11. Nov 2011, 17:50 
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Navajo-Spindel

Registriert: Fr 29. Aug 2008, 15:59
Beiträge: 385
Postleitzahl: 0
Wohnort: Niedersachsen
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Falls noch jemand hier mitliest:

ich habe mal die Grundlage für einen Vortrag, die ich im Frühjahr mal erarbeitet habe, auf meine Seite eingestellt:
http://spinnrad.jimdo.com/allerlei-vom-handspinnen/handspindeln-1/
(+ Unterseite!) (wenn nicht direkt anklickbar Adrese kopieren und ins Browserfenster einfügen)

Damals habe ich mich bemüht, Daten für konkrete Längen, Durchmesser, Material usw. von archäologischen Funden von Handspindeln bis in die mittl. Steinzeit zu ermitteln. Gewicht ist praktisch unmöglich zu ermitteln, weil das meiste z.B. keinen vollständigen Schaft mehr hat, aber die anderen Daten liefern doch schon Anhaltspunkte über die Größe.

Sigrid

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