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BeitragVerfasst: Di 8. Jul 2008, 16:14 
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Akha-Spindel

Registriert: Di 8. Jul 2008, 13:51
Beiträge: 76

im alten Forum geschrieben am 16.06.2005 - 15:08


Bild
Hallo zusammen,
jetzt mal schauen, ob ich diese Frage ohne Bild beschreiben kann. Also:
Ich habe das Spinnen mit der Tiefwirtelspindel so gezeigt bekommen: ein Stück Anfangsfaden oder vom bereits gesponnenen Garn wird von der Schaftmitte nach unten geführt, am Wirtel vorbei einmal unten um die Spitze des Schafts geschlungen, dann ganz nach oben und mit einer Schlinge am oberen Ende des Schafts (Kerbe) eingehängt. Dann losspinnen. Wenn Faden lang genug, dann aufwickeln und die selbe Prozedur von vorn.
Inzwischen habe ich allerdings so viele Handspinnerinnen gesehen, die diesen Umschlag nicht machen, sondern einfach mit Schlinge am oberen Ende losspinnen, dass ich ein bisschen verwirrt bin.
Nach meiner Vermutung hilft das Ganze, den Schwerpunkt der Spindel in der Mitte zu halten, ist aber nicht zwingend nötig. Oder? Kann jemand von Vor- und Nachteilen und eigenen Erfahrungen berichten?
Oder ist das von der Bauweise der Spindel abhängig? Bei den Rekonstruktionen prähistorischer Spindeln (Steinzeit bis Frühmittelalter) ist der Wirtel ja auch so klein, dass ich gar nicht weiss, ob so eine zusätzliche Wicklung da was bringt.

Zusatzfrage: Gibt es eine Angabe, wie rum die Schlaufe um die untere Spitze und der "halbe Schlag" (so hat das spinntantchen genannt, also die Schlaufe) um das obere Ende sein müssen? Ich hab den Eindruck, ich mach die manchmal falsch rum, so dass sie sich sofort wieder auflösen (Ergebnis: Spindel stürzt ab *aaargh*)


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BeitragVerfasst: Di 8. Jul 2008, 16:15 
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Spinning-Jenny
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im alten Forum geschrieben am 18.06.2005 - 17:08


Für Anfänger, die noch mit ihrer Handspindel zu kämpfen haben, kann ich diese Befestigungsvariante eigentlich noch nicht so sehr empfehlen. Denen empfehle ich erst mal bei dieser Version zu bleiben, bis das Spinnen leicht von der Hand geht.

Wenn man dann etwas fortgeschrittener ist, kann man ruhig auch mal die schwierigere Variante ausprobieren:

Bild


  • Hierzu dreht man einfach die Spindel in Drehrichtung (ganz wichtig!) weiter und legt so das letzte Stück Spinnfaden spiralig (und stramm!) um den Schaft und fügt dann den halben Schlag hinzu.
  • Wie lunula schon richtig beobachtet hat, ist es nun hierbei nicht egal, wie herum man den halben Schlag macht. Der halbe Schlag muss so aussehen, wie im linken Bild (das mit dem Haken daneben ;) ), wo der Faden auch im Verlaufe des halben Schlages nicht die Drehrichtung verändert.
    Wird der halbe Schlag falsch herum wie auf dem rechten Bild gemacht, wird er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit beim Anspinnen abrutschen
  • Diese Befestigungsvariante klappt aber nicht mit allen Spindeln
  • Und man muss möglichst den Faden auf der Spindel sehr sorgfältig und in einem möglichst festen Konus aufwickeln (möglichst kreuzförmig). Ist der schon gesponnene Garnvorrat unsauber und locker aufgewickelt, rutscht der Faden auch gerne ab und das ganze hält nicht.
  • Die Spindel muss nicht zwingend eine Kerbe oder Rille oben haben, damit diese Befestigung klappt. Auch bei Spindeln mit glattem Schaft funktioniert das, man muss nur noch sorfältiger den Faden den Schaft hoch wickeln
  • Nachteil dieser Befestigungsvariante:
    Sie hält nicht ganz so gut, wie die "Anfängervariante" und es ist auch ein bißchen tricky, bis sich das feste Aufwickeln und die richtige Richtung des halben Schlages eingespielt hat. Auch finde ich, dass das Lösen des halben Schlages vor dem Aufwickeln mehr Gefummel ist und länger braucht, als wenn ich die einfache Befestigungsmethode (Faden unter der Spindelspitze) verwendet.
  • Vorteil: Wie Lunula schon erkannt hat, läuft die Spindel so meist ruhiger

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BeitragVerfasst: Sa 28. Jan 2012, 03:01 
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Akha-Spindel

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Ich habe all diese Befestigungstechniken ausprobiert und auch einmal kräftig am Faden gezogen!
Den Faden um den Schaft zu wickeln mit Halbschlag ist Unsinn, da bei eine kräftigen Zug der Faden rutscht und sich aufwickelt, wo dann die Spindel fällt. Bombenfest ist das Ganze, wenn der Faden einmal hinter den Wirtel geführt wird und zurück zur Schaftspitze, wo man einen Halbschlag macht, so wie es am Anfang beschrieben war. Da meine Schäfte zu konisch und spitz an beiden Enden auslaufen, geht es so nicht anders. Da mittelalterliche Spindeln ebensolche Schäfte hatten - ohne Haken und Kerben, machte diese Fadenführung (Anfängervariante) um den Wirtel durchaus einen Sinn.
Den Faden löst man ganz einfach, indem man den Halbschlag am Schaft runter in Richtung Wirtel schiebt, wo sich der Faden lockert, so daß man am unteren Ende des Wirtels die Fadenschlaufe leicht über den Wirtel wieder auf die andere Seite ziehen kann. Nun kann man den Halbschlag wieder in die entgegengesetzte Richtung über die Schaftspitze hinwegziehen. Man braucht also nicht zu fummeln, selbst wenn man 80 Halbschläge hintereinander gemacht hat!


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BeitragVerfasst: Mo 30. Jan 2012, 00:44 
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Spinning-Jenny
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Zitat:
Den Faden um den Schaft zu wickeln mit Halbschlag ist Unsinn, da bei eine kräftigen Zug der Faden rutscht und sich aufwickelt, wo dann die Spindel fällt.


Es gibt viele SpinnerInnen die dieses Technik erfolgreich anwenden. Etwas als Unsinn zu erklären, nur weil Du es nicht hinkriegst, halte ich da für etwas lächerlich.

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BeitragVerfasst: Fr 13. Jul 2012, 15:06 
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Akha-Spindel

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Ich selbst benutze die Wickelmethode manchmal aus Faulheit. Aber sie ist nicht bombenfest. Bei jeden sehr kräftigen Zug löst sich das Ganze, was sich aus der Mechanik ergibt. Als ich Physik studierte, hatten wir in einer Vorlesung das Beispiel einer folgsamen und fliehenden Garnrolle, wo der Winkel des Fadens zur Garnrolle bestimmt, welches Verhalten die Garnrolle hat. Entweder spult sie sich auf (folgsam) oder spult sich ab (fliehend). Wir mußten sogar diesen Winkel berechnen bzw. bei einen vorgegebenen Winkel ermitteln, ob die Garnrolle folgt oder flieht.

Hier bei der Handspindel ist es ähnlich. Über den Winkel wird bestimmt, ob sich das Garn abspult. Bei der Wickelmethode spult sich das Garn bei einen sehr kräftigem Zug immer ab.

Ich demonstriere bei (Spinn)Veranstaltungen sehr gern diese beiden Methoden und beweise dann, weswegen die Wickelmethode nicht besonders fest ist. Legt man jedoch den Faden einmal um den Wirtel, dann kann man sogar auch ohne Halbschlag so fest am Faden ziehen daß er eher reißt als das er sich löst. Der Wirtel wird hier sozusagen selbst zum Haken, weswegen ein Haken bei Handspindeln wirklich überflüssig ist.

Gruß Wolfgang


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BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2012, 12:22 
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Kreuzspindel
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w_ciossek hat geschrieben:
Ich selbst benutze die Wickelmethode manchmal aus Faulheit. Aber sie ist nicht bombenfest. Bei jeden sehr kräftigen Zug löst sich das Ganze, was sich aus der Mechanik ergibt. Als ich Physik studierte, hatten wir in einer Vorlesung das Beispiel einer folgsamen und fliehenden Garnrolle, wo der Winkel des Fadens zur Garnrolle bestimmt, welches Verhalten die Garnrolle hat. Entweder spult sie sich auf (folgsam) oder spult sich ab (fliehend). Wir mußten sogar diesen Winkel berechnen bzw. bei einen vorgegebenen Winkel ermitteln, ob die Garnrolle folgt oder flieht.

Hier bei der Handspindel ist es ähnlich. Über den Winkel wird bestimmt, ob sich das Garn abspult. Bei der Wickelmethode spult sich das Garn bei einen sehr kräftigem Zug immer ab.

Ich demonstriere bei (Spinn)Veranstaltungen sehr gern diese beiden Methoden und beweise dann, weswegen die Wickelmethode nicht besonders fest ist. Legt man jedoch den Faden einmal um den Wirtel, dann kann man sogar auch ohne Halbschlag so fest am Faden ziehen daß er eher reißt als das er sich löst. Der Wirtel wird hier sozusagen selbst zum Haken, weswegen ein Haken bei Handspindeln wirklich überflüssig ist.

Gruß Wolfgang


Theorie und Praxis, sage ich da nur. Physikilisch hast du ja meinetwegen Recht, aber für die Praxis tut es die Methode in den meisten Fällen sehr gut. Bis vor kurzem kannte ich den Befestigungstrick mit dem Wirtel noch gar nicht und bin mit dem halben Schlag sehr gut gefahren. Und so lange ich nicht an die Grenzen gewisser Gewichtsklassen (so ab 100 Gramm) komme, hatte ich bisher da noch kein Problem. Es ist gut den Zusatzbefestigungstrick zu kennen für Grenzfälle, ansonsten lebt es sich auch ganz gut ohne. Aber von mir aus jeder wie er am liebsten mag.

Ich wickel den Faden ja auch bei Spindeln mit Haken oben mehrfach umden Haken (3x, 4x, 5x) und vorher mehrfach um den Schaft, aber eigentlich notwendig wird das nur bei sehr schlingernden Spindeln (Aushakgefahr) oder sehr vollen Spulen (~100 Gramm oder so). Aber das ist halt mein persönlicher Spleen und wenn mir das Gefummel Spaß macht :-)

Ich kann ohne Haken spinnen, wenn keiner da ist, aber ich habe auch nichts dagegen, wenn einer dran ist... Man kann auch auf Schlagdübeln spinnen, es ist halt nur nicht das allergrößte Spinnvergügen für mich persönlich. Aber die sind wenigstens relativ handtaschentauglich ;-)

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BeitragVerfasst: Mo 25. Apr 2016, 07:30 
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Spinning-Jenny
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Hier habe ich noch ein schönes Video von Abby Franquemont gefunden:
http://abbysyarns.com/2014/12/half-hitc ... les-video/

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