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 Betreff des Beitrags: Spindeln selber drechseln
BeitragVerfasst: Mo 9. Jul 2012, 14:43 
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Fallspindel
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Hallo,

Ich bin seit einigen Tagen mit dem Drechsel - Virus infiziert und gehe erfolgreich mit dem Werkstoff Holz "fremd". Meine Leidenschaft für die Faserverarbeitung und für das Textile bleibt trotzdem ungebrochen. Also habe ich mir überlegt wie sich beides mit einander in Theorie und Praxis verbinden lässt. Dabei kam mir der Wunsch nach einem fachlichen Austausch und nach einigen Erfahrungsberichten in den Sinn.

a) Hat jemand von Euch schon einmal eine Spindel selber gedrechselt?
Mich interessieren sowohl verdrechselte als auch versponnene Erfahrungen.

b)Worauf muss ich beim Drechslen achten?
So weit ich es verstanden habe handelt es sich bei der Herstellung/ beim Drechseln von Kopf und Fußspindeln um eine weitgehende Langholzarbeit.

c) Gibt es Drechsel - Hölzer die sich gar nicht für eine Handspindel eignen?

lg,

der Viator

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Die Quinta - Darstellendes und anleitendes Handwerk im europäischen 10. Jahrhundert.
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 Betreff des Beitrags: Re: Spindeln selber drechseln
BeitragVerfasst: Di 10. Jul 2012, 14:08 
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Flügelspinnrad

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Hallo Viator,

danke für das Thema - das beschäftigt mich auch gerade.
Bin zwar selbst auch eher kein Holzwurm, habe aber eine (wohl recht schlechte) Drechselbank im Keller stehen, die meinem Sohn gehört und der kommt damit auch noch nicht wirklich klar, so dass ich mir jetzt mal zwei Bücher besorgt hab, um mich einzulesen.
Also: ein hübscher Spinnwirtel sollte doch machbar sein!

In meinen Büchern gibt es Übersichten über die Holzarten und da hätte ich jetzt mal alles für geeignet gehalten, was man fein schleifen kann.

Was mich vor allem beschäftigt ist die Frage: Wie bekomme ich zentriert ein Loch in die Mitte des Wirtels, in das man dann den Stab leimen kann?

(Also, ich bin so sehr Anfänger, dass ich noch gar nicht so recht angefangen habe.)

Ich habe auch in zwei Drechselforen gesucht und dort zum Thema "Handspindel" nichts gefunden, allerdings viele supertolle Bilder zu Kreiseln. Im Grunde ist so ein Wirtel ja nichts anderes, als so ein Kreiselschwungkörper mit einem längeren Stab durch. Deshalb hatte ich mir gedacht, meine ersten Versuch in diese Richtung zu unternehmen. Akut habe ich aber gerade keine Kapazitäten frei. Dauert also noch ein bisschen.

Viele Grüße und ich lese hier gerne mit, was andere noch dazu beitragen!

Hummelbrummel

PS: Zwei Spindeln vom Ohrenburg-Typ hat mir mein Sohn schon gemacht, aus vorgefertigten Buchenrundhölzern. Aber da ich nicht "supportet" spinnen kann, kann ich deren Wert nicht beurteilen. Mir kommen sie oben recht dick vor. Doch es immerhin mal ein Anfang.

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 Betreff des Beitrags: Re: Spindeln selber drechseln
BeitragVerfasst: Di 10. Jul 2012, 14:19 
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Fallspindel
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Huhu Hummelbrummel,

Ich habe letztes Wochenende einen Drechselkurs im Allgäu besucht und kann so eine Aktion jeder/ jedem der sich für das Drechseln interessiert mit einem guten Gewissen weiter empfehlen.

Du sprichst hier einen interessanten Punkt an.
Drechsle ich die Spindel am Stück oder mache ich mir zwei Teile, die zusammen gefügt werden?
Ich lasse in diesem Thema sämtliche Kreuzspindeln außen vor.

Hier sind meine theoretischen Überlegungen:

A) zwei Teile:
Einen Spinnwirtel als Querholz -Arbeit oder als halbe Kugel drechseln. Das Loch wird vor dem Einspannen in das zentrierte Holz gebohrt und bietet mir eine Möglichkeit das Werkstück in das Backenfutter und den Reiterstock auf der Drechselbank einzuspannen. Wer beim Bohren an eine Standbohrmaschine ran kommt ist klar im Vorteil. :)
Danach wird der Spinnstab als Langholz - Arbeit ausgedrechselt. Beides aneinander anpassen, zusammenstecken

B) Aus einem Stück.
Etwas komplizierter aber machbar.
Je nach Spindeltyp zuerst einen Stich oder eine Zwiebel in das Holz drechseln und anschließend den Spinnstab ausdrechseln.
Wer die Spindel leichter machen möchte, der muss in das Querholz gehen.

Zum Schluss bei beiden Wegen die Werkstücke schleifen, polieren und ggf. mit Holzschutz einlassen.
Bei einer Supported Spindel kommt noch die Schale dazu.

:arrow: fertig.

Habe ich irgendwo einen Denkfehler oder etwas vergessen?

Lg,

der Viator

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 Betreff des Beitrags: Re: Spindeln selber drechseln
BeitragVerfasst: Mi 11. Jul 2012, 07:35 
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Flügelspinnrad

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Hallo Viator,

theoreitsch kann ich Dir folgen (bis zur Praxis bin ich noch nicht vorgedrungen).

Nun, da stecken verschiedene Denkansätze drin.

Eine Spindel aus 2 Teilen verbraucht halt wesentlich weniger Holz und man könnte dann für den Wirtel guten Gewissens was Edleres nehmen.

Bisher habe ich ja nur mit CD-Spndeln (und einer viel zu schweren Kauf-"Anfängerspindel") gearbeitet. Da ist die Logik kanz klar die: Man hat einen Schaft und auf den steckt man den Wirtel, der in der Steinzeit aus Holz, Ton oder sinstwas bestand und bei modernen Menschen eine CD sein kann :mrgreen:
Deswegen war mein Ansatz zunächst auch der, einen Wirtel zu drehen und den auf ein Rundholz aufzusetcken/kleben.
Ich hatte den Blick sozusagen auf dem Wirtel, nicht auf der ganzen Spindel.

Daher Plan A: ein schöner Wirtel

Möglicher (theoretisch erdachter) Nachteil: Wenn das Rundholz nicht völlig einwandfrei ist, könnte das die Laufeingenschaften beeinträchtigen. Ich werde zu gegebener Zeit so eine Spindel haben und dann berichten.

Daher Plan B: So wie Du es beschrieben hast: Zukünftigen Wirtel und Schaft zuerst verbinden und gemeinsam drehen.
Vorteil: Mein Sohn sagt, er kann ein zentriertes Loch von 1cm Durchmesser in den Wirtel drehen. Da kommt dann ein 1cm Rundholz rein, danach bearbeitet er dann beides gemeinsam, natürlich wird der Schaft dann auch noch dünner. So hat er es sich jedenfalls gestern zurechtgelegt, nachdem er beim Schreiner am Ort einen tiefen Griff in die Brennholzkiste machen durfte und mit Kirsch- und Walnussbrettern und einem Stück Mahagonie heimkam. (Das mit dem zentrierten Loch ist bei uns momentan echt ein Problem, zumal diese Schraube, mit der man ein Werkstück festschrauben kann, verbogen ist. Standbohrmaschine könnte aufgebaut werden.)

Eine ganze Spindel aus einem Stück Holz stellt für mein Empfinden die Krönung der gedrechselten Handspindel dar - also irgendwann mal Plan C..... Und für diesen Fall habe ich mir den Link gemerkt: http://www.drechselnundmehr.eu/cutecast/cutecast.pl?session=9REL7loZ9PPs0k6i2xN69H80FC&forum=36&thread=2776. Ich vermute, das ist auf eine Spindel ganz gut übertragbar.

Seit Muttern ein Drechselbuch aufm Örtchen liegen hat, hat Junior (14) wieder große Lust am Drechseln und das finde ich auch sehr gut. Deshalb werde ich mich da jetzt auch nicht vordrängen und ihn machen lassen.

Viele Grüße
Hummelbrummel

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 Betreff des Beitrags: Re: Spindeln selber drechseln
BeitragVerfasst: Mi 11. Jul 2012, 09:20 
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Fallspindel
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Liebe Hummelbrummel,

Das zentrierte Loch sollte das kleinste Problem sein. :) Du brauchst ohnehin einen Ansatzpunkt um das Werkstück in die Drehbank einzuspannen. Die Zentrierung des Werkstückes entsteht automatisch beim ersten Drechsel - Arbeitsschritt, dem Schroppen.

Ich freue mich auf die Ergebnisse.

viele Grüße,

der Viator

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 Betreff des Beitrags: Re: Spindeln selber drechseln
BeitragVerfasst: Mi 11. Jul 2012, 09:51 
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Flügelspinnrad

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Hallo Viator,

Junior hat da so eine Schraube, die steckt auf der einen Seite in der Drehbank, auf der anderen im Werkstück in der Mitte.
Er hat gestern so eine Art Abdeckrosetten für Rohrausgange in einer Holzwand beim Opa gedrechselt.
Die eine hatte in der Mitte eine große runde Öffnung (Rohrdurchlass), die er abgedreht hat und gelang sehr gut. Die andere sollte nur eine Art Deckel werden, also wie ein Uhrglas ungefähr. Und dass die Schraube bei dieser Scheibe nicht mittig saß, sondern außerhalb des des Zentrums, ist sogar mit dem bloßen Auge erkennbar. Weiß nicht, wie ich das beschreiben soll.

Hm, muss vielliecht wirklich mal mFotos machen. Ich kann mir diese ganzen Drechselfachausdrücke so schlecht merken. Der Kopf ist schon so voller Spinnlatein....

Viele Grüße
Hummelbrummel

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 Betreff des Beitrags: Re: Spindeln selber drechseln
BeitragVerfasst: Mi 11. Jul 2012, 11:02 
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Fallspindel
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Eine sehr gute Idee. 8-)

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 Betreff des Beitrags: Re: Spindeln selber drechseln
BeitragVerfasst: Do 12. Jul 2012, 13:39 
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Flügelspinnrad

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Über den Stand der Dinge:

Junior hat erfolgreich noch eine sehr schöne lochlose Abdeckscheibe für die Holzwand seines Opas gedrechselt (gäbe mit einem mittigen Loch und polierter Unterseite auch schon einen ganz hübschen Spinnwirtel ab.) Und als er das gerät ausschaltete, brach von der Plaszihalterung des Einschaltkopfes ein Stück ab, das Schaltgehäuse verrutschte und 2 "Stecker" auf der Rückseite rutschten raus, so dass man die Drechselbank jetzt nicht mehr anschalten kann. Das ist alles soooo bescheuert konstruiert, dass selbst ich mir meinen Strick- und Sticknadelerprobten Händen und meinen 1000 zerlegten Strckmaschinen keine Chance hatte, das wieder zusammenzubringen. Beim Versuch, das Gehäuse zu zerlegen, um von hinten ran zu kommen, stellten wir fest, dass die vordere Front verschweißt ist und von hinten alles zu ist.
Nun muss mein Sohn das Gerät erst mal von der Werkbank schrauben um zu sehen, ob sich vielleicht von unten was machen lässt.

Naja, vorerst jedenfalls nix mit Drechseln :evil:

Brummlige Grüße von
Hummelbrummel

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 Betreff des Beitrags: Re: Spindeln selber drechseln
BeitragVerfasst: Fr 13. Jul 2012, 12:19 
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Tahkli
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Bei meiner Drechselbank kann ich in den Reitstock ein Bohrfutter einsetzen, dahinein einen normalen Spiralbohrer und den dann wie sonst die Pinole auf das zum Querdrechseln eingespannte Werkstück zuführen.

Wenn man es 100% passend haben will, kann man die rohe Spindel in den Wirtel einleimen und danach beides zusammen nochmal einspannen und evtl. Unwuchten beseitigen.

Beste Grüße -- Thomas

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 Betreff des Beitrags: Re: Spindeln selber drechseln
BeitragVerfasst: Fr 13. Jul 2012, 15:34 
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Akha-Spindel

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Hallo Viator,
ich habe keine Drehbank, aber trotzdem drechsle ich meine Spinnwirtel, Schäfte und Orenburgspindeln mit einer Bohrmaschine! Ich benutze Schleifpapier zum Drechseln. Bei sehr dünnen Schäften wird am Schluß nicht mehr gedrechselt, da der Schaft wieder infolge von Biegungen wieder krumm werden kann, so daß ich nur noch per Hand schmirgle. Ebenso besteht Bruchgefahr durch zu starke Torsionskräfte. Beim Drechseln mit Schleifpapier muß man beachten, daß das Holz und ebenso die Finger nicht verbrennt.

Dünne Schäfte oder Orenburgspindeln werden wie Bohrer eingespannt. Ist der Stab konisch, umwickle ich das einzuspannenend Ende mit Schmirgelpapier, sonst rutscht der Schaft aus der Halterung des Bohrers. Das freie andere Ende fängt ein Loch in einen Holzbrett auf, damit es bei Unwuchten nicht so sehr schwingt. Ich habe gute Spinnerfahrungen, so daß ich mir optimale Spindeln zurechtdrechseln konnte. Da bei einer Bohrmaschine nicht sehr dicke Bohrer eingespannt werden können, bzw. dicke Holzschäfte, so feile ich mir vorher aus einen Holzstück einen Rohling, der fast die Endform besitzt. Das Drechseln mit der Bohrmaschine erledigt dann nur noch die Feinarbeit, so daß eine Spindel schön rotationssymetrisch wird. Schwierig dabei ist es, den Rohling so zu bearbeiten, daß keine Unwuchten mehr vorhanden sind. Besonders gerade Schäfte sind hierbei nicht einfach! Spinnwirtel werden auf einen Holzdorn geschoben, der sich beim Bohrer einspannen läßt.

Gruß Wolfgang


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