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BeitragVerfasst: Fr 27. Mai 2016, 07:23 
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Kreuzspindel

Registriert: Mi 18. Mai 2016, 08:29
Beiträge: 26
Postleitzahl: 94
Land: Deutschland
Ich bin ja am Informationen sammeln über "mein" Spinnrad, welches zu mir halt am besten passt. Dabei ist mir etwas aufgefallen: sehr oft schon gab ich bei Beschreibungen zu Rädern gelesen: Rad gerade auch für Anfänger gut geeignet. Oder bei persönlichen Meinungen zu Rädern: "damals kaufte ich xy , aber ich war ja noch Anfänger".
Gibt es typische Anfängerräder? Welche die eben besser geeignet sind, als andere? Oder -umgekehrt- dann Räder für Fortgeschrittene? Wenn ja, wie definiert sich das?

_________________
Liebe Grüße, Michaela

Fallen ist weder gefährlich, noch eine Schande . Liegenbleiben ist beides! ( Konrad Adenauer )


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BeitragVerfasst: Fr 27. Mai 2016, 07:59 
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Flügelspinnrad

Registriert: Fr 20. Mai 2011, 15:26
Beiträge: 569
Postleitzahl: 84405
Land: Deutschland
Hallo Mimi,

Der typische Anfänger sucht ein Rad das a) günstig sein soll - man weiß ja noch nicht, ob man beim Hobby bleibt und b) funktionieren soll.

Das wird dann oft ein flügelgebremstes Rad mit einer niedrigen Übersetzung.

Zur Übersetzung (wie oft dreht sich Spule oder Flügel bei einer Schwungradumdrehung?):
Eine geringe Übersetzung ist für den Anfang gut, weil die Finger viel Zeit haben, sich an die Arbeit zu gewöhnen.
Werden die Finger geschickter, tritt man schneller.
Wird der Faden dünner, braucht er mehr Drehung, um zusammenzuhalten, man muss also auch mehr treten - oder die Finger müssen immer hübsch langsam arbeiten, obwohl sie es schneller könnten.
Dann kommt bei manchen Spinnerinnen der Punkt, an dem sie sich das Bein abkurbeln und gerne ein Spinnrad mit einer höheren Übersetzung hätten.

Insofern ist eine niedrige Übersetzung "anfängertauglich" und möglicherweise dem Fortgeschrittenen irgendwann nicht mehr genug.
Man kann allerdings auch mit einer niedrigeren Übersetzung glücklich alt werden, wenn man entweder sowieso lieber gemütlich langsam spinnt oder lieber etwas dickere Wolle produziert, also weniger Lace oder so. Übrigens ist es schwieriger, einen gleichmäßige dicken als einen gleichmäßig dünnen Faden zu spinnen.

Und da ich vermute, dass Dein Rad eine vergleichsweise eher hohe Übersetzung hat, bist Du der Beweis dafür, dass man damit auch als Anfänger spinnen lernen kann.

Zur Flügelbremse:
Die steht im Ruf, (im Gegensatz zu Spulenbremse oder zweifädigem Antrieb) für starken Einzug zu sorgen oder auch zu ruckeln.
Wenn man beispielsweise im langen Auszug spinnen will, braucht man einen sanften Einzug und es ist von Vorteil, den Einzug kleinschrittig regeln zu können.
Meine Erfahrung bestätigt diesen Ruf der Flügelbremsen jedoch nicht so pauschal:
Der Willy hatte einen starken Einzug (und diesen vermisse ich heute an allen meinen Rädern zum zwirnen. Ich hätte mich nicht von meinem "Anfängerrad" Willy trennen sollen.)
Bei meinem "Bayernrad" (No-Name-Rad) ist der Einzug unterschiedlich und hängt stark von der Pflege des Lagers ab. Es kann auch sanft, wenn man es entsprechend behandelt, ich gebe aber zu, dass es nicht optimal ist.
Dann brachte mein Daddy ein Bockrad vom Flohmarkt mit, das auf den ersten Blick erschreckend dekomäßig wirkte. Es war aber Wolle dabei und so probierte ich es einfach aus, und - plötzlich floss mir quasi von selbst der lange Auszug aus der Hand, den ich vorher erfolglos an Bliss und Sonata (beide mit Spulenbremse) versucht hatte. Der Einzug an dem Rad ist spitzenmäßig regulierbar.(Das Ganze im Rahmen einer familiären Osterfeier im unter den Augen staunender Nichten und Neffen im großväterlichen Haushalt, in dem ich erst mal nach einer Schnur als Antriebsriemen suchen musste - kleiner Schwank am Rande.) Mittlerweile kann ich ihn an allen Rädern.
Und das Malottke Bockrad: Das hat einen sehr sanften Einzug. Da ich es wegen der großen Spulen gerne zum Zwirnen nehme, stört mich das, da hätte ich gerne mehr Zug auf dem Garn. Den kriegt es nicht hin.
Also von diesen 4 flügelgebremsten Rädern haben 2 einen sanften Einzug und könnten problemlos im langen Auszug besponnen werden. Beim Malottke fehlt mir dazu allerdings von der Bauweise her der Platz vor dem Rad, deshalb der Konjunktiv. (Da ist Dein Rad besser.)
Das dritte Rad ist mit Pflege und Mitdenken ebenfalls sanft einstellbar.

Ich denke, ziemlich alle neuen Markenräder sind anfängertauglich.
Aber viele "alte Anfängerräder" genügen den fortgeschrittenen Bedürfnissen moderner Hobbyspinner mit der Zeit nicht mehr - wobei man nicht vergessen darf, dass auf vielen Rädern solcher Bauart lange produktiv gesponnen wurde.
Wir haben schon "Luxusprobleme", aber es ist halt Hobby.
Manche Männer diskutieren dann über Details an ihren Autos.

Wenn man sich ein neues Rad anschafft, dann gibt es aber noch mehr Faktoren zu beachten, um das Rad zu erwischen, das für einen selbst das Optimum an Komfort bietet, z.B.:
Anordnung und Winkel der Tritte
"Anatomie" des Rades
Bandbreite der Übersetzungen
Was will ich überhaupt spinnen? Für Teppichwolle und Artyarn sind dann z.B. wieder große Spulen und möglicherweise Flügelbremse optimal, was man für Lace nicht so mag. ....
Komfort beim Spulenwchsel....

und noch einiges mehr.

_________________
http://www.hummelbrummel.blogspot.de/


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BeitragVerfasst: Fr 27. Mai 2016, 14:37 
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Spinning-Jenny
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Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, dass es sich bei der Aussage 'ein gutes Anfängerrad' um eine Art Werbeslogan zum Weiterverkauf des Rades handelt. Jemand, der noch nie gesponnen hat, wird darunter verstehen: 'oh, das Rad ist für mich ideal' und zuschlagen.
Wobei ich oft der Meinung bin, man sollte eher sagen, dass das Rad für eine Anfänger (noch) tauglich ist, man aber schnell an die Grenzen des Rades kommt, wenn man sich weiterentwickeln will.

Denn meist sind es, wie schon Hummelbrummel festgestellt hat, einfache flügelgebremste Räder mit langsamer (und oft nur einer) Übersetzung. Spätestens wenn man irgendwann einmal ganz dünn oder feine Materialien wie Kaschmir, Seide, Baumwolle verspinnen will, kommt man damit nicht weit bzw. es wird schnell unbequem.

Wobei diese Räder durchaus ihre Berechtigung haben. Ich habe mein 'Anfängerrad' ein Moswolt M1 mit einer langsamen Übersetzung immer noch und es ist auch noch des öfteren in Gebrauch. Wenn ich halt mal dick spinnen oder mittel bis dickeres Garn verzwirnen will. Denn wenn ich bei meinem Bliss die Spulen mal ganz voll zwirne will, fehlt mir zum Schluss einfach die Stärke im Einzug. Also lieber zwei Blissspulen auf die riesige Moswoltspule zusammenverzwirnen.

Es muss also nichts Negatives sein, die Bezeichnung 'Anfängerrad'. Man muss sich halt nur bewußt machen, welche Möglichkeiten ein solches Rad bietet (oder nicht bietet). Wer genügend Platz hat, für den mag es auch noch nicht mal rausgeschmissenes Geld sein, sich erst ein sogenanntes Anfängerrad zu kaufen und nachher noch ein vielseitigeres mit schnelleren Übersetzungen. Denn meist kriegt man so ein Anfängerrad für das gleiche Geld, was man ansonsten dafür hinlegen würde, um sich einen Jumbospinnflügel für das 'Multitalentrad' zu kaufen. Und man spart sich den nervigen Spinnflügelwechsel - vorausgesetzt man hat ausreichend Platz zur Verfügung, um sich zwei Spinnräder hinstellen zu können.

Zitat:
Und da ich vermute, dass Dein Rad eine vergleichsweise eher hohe Übersetzung hat, bist Du der Beweis dafür, dass man damit auch als Anfänger spinnen lernen kann.

Und da Dein anderes Rad scheinbar eine sehr schnell Übersetzung hat, würde es sich für Dich - meiner Meinung nach - wirklich lohnen, einmal auszutesten, wie weit Du mit diesem kommst d.h. wie gut kriegst Du es gewartet und wie gut kriegst Du dann den Einzug heruntergeregelt? Was kriegst Du damit gesponnen?
Evtl. könntest Du so schon eine ganz schöne Bandbreite abdecken, wenn Du Dir zu diesem Rad noch zwei Spulen bei einem Drechsler in der Nähe günstig oder im Tauschhandel schießt und schaust, ob Du so ein 'Anfängerrad' d.h. ein Rad mit großen Spulen und langsamer Übersetzung irgendwo günstig erstehen kannst.

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Meine Seiten: www.spinntantchen.de und www.nadelbindung.de



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