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BeitragVerfasst: Sa 27. Apr 2013, 15:21 
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Flügelspinnrad

Registriert: Fr 20. Mai 2011, 15:26
Beiträge: 568
Postleitzahl: 84405
Land: Deutschland
Hallo zusammen,

aus gegebenem Anlass habe ich mir in letzter Zeit vermehrt Gedanken über Schmiermittel gemacht.

Hier im Forum habe ich zwei passende ältere Beiträge gefunden:

http://www.handspinn-forum.de/forum/viewtopic.php?f=50&t=213
http://www.handspinn-forum.de/forum/viewtopic.php?f=50&t=223

und noch einen speziell zu Lederlagern
http://www.handspinn-forum.de/forum/viewtopic.php?f=50&t=1004

Trotzdem bin ich noch neugieriger und es würde mich interessieren, welche Erfahrungen Ihr konkret mit den einzelnen Mittelchen gemacht habt.

Hier meine Erfahrungen und Überlegungen:

- Ballistol
.... ist mein absoluter Lieblingssaft in allen Lebenslagen. Gut zu allen Oberflächen, ungiftig - und mein Top-Favorit bei meinem anderen "großen Hobby": alten und weniger alten Strickmaschinen.
Aber: Beim Einsatz am Spinnrad habe ich den Eindruck, dass Ballistol seine schmierende Wirkung verliert, wenn es in Lagern eingesetzt wird, in denen es warm oder heiß wird. Also überall da, wo etwas bei schneller Rotation reibt (Flügellager Metall auf Kunststoff, Spulenlager Kunststoff auf Metall, Knechtlager Metall auf Metall, Flügellager Holz auf Leder, Flügelbremse Leder auf Holz).
Bilde ich mir das ein? Hat jemand von Euch den gleichen Eindruck? Gibt es eine "wissenschaftliche Erklärung" dafür oder dagegen?

- WD 40 kann ich gar nicht ab, weil es stinkt und manche Oberflächen angreift.

- Spinnradöl:
Bei meinem ersten Kromski war welches dabei, das war schwärzlich trüb. Das beim zweiten Rad ist klar, nur etwas gelblich. Es ist sehr flüssig und läuft leicht weg. Ich bin mir nicht sicher, ob es genug "Stand" hat um speziell am Spulenlager die nötige Schmierung zu erreichen, ohne dass ständig triefendes Nachölen nötig ist.
Bei meinem Sonata scheint es an den Flügellagern gut zu wirken (Kunststoff/Metall). Da wo die Knechtlager reiben, scheint es aber nicht die nötige "Pufferung" zu erreichen um ein Knirschen zu verhindern. Allerdings habe ich noch nicht viel Erfahrung.
Ein Spinnradhändler empfahl mir aus diesem Grund:

- Montagevaseline
(und lieferte sie freundlicherweise gleich mit.)
Das hiermit (versuchsweise sparsam und versuchsweise üppig) an den Lagern geschmierte Rad lief jedenfalls nicht ruhig - wobei ich nicht weiß, wo und woran letztendlich das Problem lag.
Heute bin ich mit einer Spule meines neuen Rades in den Werkzeugladen meines Vertrauens gegangen, um mich beraten zu lassen, was sie mir empfehlen würden, um an einem Holzgerät Kunststoff auf Metall bei zu erwartender Wärmeentwicklung bestmöglich zu schmieren.
Auf der Vaseline im Laden gab es keine Auskunft über die Temperaturbeständigkeit. (Bei der anderen hatte ich noch nicht drauf geachtet, weil das Problem da noch nicht in mein Bewusstsein gedrungen war.)
Mein Gefühl war damit nicht zufrieden, aber sollte eineR von Euch meinem Gefühl wissenswerte Fakten hinzufügen können, wäre ich dankbar.
Die Verkäuferin empfahl mir

- Silikonfett
Das ist laut Aufdruck bis 200° hitzebeständig und ein "Dauerschmierstoff" für "Metall, Kunststoff..." usw.
Hört sich jedenfalls nicht schlecht an. Aus meinem Hinterkopf drang in den Vordergrund, das wir früher bewegliche Teile an unseren Fahrradanhänger mit "Silikonspray" behandelt haben, aber auch, dass man das aus irgendeinem Grund für irgendwas nicht nehmen durfte - ich weiß aber nicht mehr, was das war.
Weiß jemand Näheres - bzw. hat Erfahrungen damit in der Spinnradanwendung?

- Plastilube
http://deweb02.henkel.com/technologies%5Csurface_technologies%5Cjsohnius.nsf/webviewde/88D78779FD81805BC12571B00034DA91/$File/PlastilubeV2.pdf?OpenElement
Das habe ich jetzt schon öfter als gutes Mittel für Spinnräder gelesen, weiß aber nicht so recht, was ich davon halten soll.
"Plasti-" heißt es wohl eher nicht, weil es so gut mit Plastik harmoniert, sondern aufgrund der besonderen plastischen Eigenschaften (Thixotropie) und ist eigentlich für Bremsen gedacht. Da ich mich in Bremsen aber nicht auskenne, weiß ich schlichtweg nicht, ob die Funktion, die das Zeug da ausübt, mit dem identisch ist, was ich am Spinnrad vorfinde und erreichen möchte. Oder ob es ungewollte Spätfolgen gibt.
Ins Auge gesprungen ist mir auch die Warnung vor der Kombination mit "seifenhaltigen Schmiermitteln", wovon ich nun auch wieder nicht weiß, was das ist.
(und ob ich die vielleicht schon mit dem "Spinnradöl" - dessen Zutaten mir letztlich unbekannt sind aufgetragen habe und daher besser gar kein Plastilube dazutun sollte.

Das führt mich zu der nächsten Überlegung:
Wie sinnvoll oder schädlich ist es, verschiedene Schmiermittel (kurz nacheinander - weil eines nicht die erwünschte Wirkung zeigt - oder lang nacheinander, weil eines zu Ende ist) zu verwenden, auf dass diese sich mischen und unerwünschte Effekte nach sich ziehen? (Ich beherrsche leider nur Küchechemie in gröbsten Zügen.)

Und zu guter Letzt die Frage nach der Menge.
Im Umgang mit den Strickmaschinen habe ich gelernt: weniger ist besser.
Triefende Maschinenteile ziehen Wollfussel an, verkleben diese und bewirken genau das Gegenteil von "läuft wie geschmiert".
Bei diesen darf wirklich nur ein ganz zarter Film über den reibenden Stellen liegen, den ich mit einem getränkten Tuch auftrage.
Irgendwie widerstrebt es mir daher auch, Spinnräder zu üppig zu ölen/schmieren. Bei meinen bisherigen älteren Rädern bin ich mit Sparsamkeit bisher auch gut gefahren.
Aber zumindest bei den Kromski-Spulen und den Knechtlagern scheint ein dünner Film des zugehörigen Öls nicht auszureichen.

So, nun habe ich Euch ganz schön zugetextet. Sorry - Kürze ist nicht meine Stärke.

Jedenfalls bin ich gespannt, was Ihr zu berichten wisst.

Viele Grüße
Hummelbrummel

_________________
http://www.hummelbrummel.blogspot.de/


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BeitragVerfasst: Sa 27. Apr 2013, 16:21 
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Akha-Spindel

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Beiträge: 79
Postleitzahl: 75334
Wohnort: Nordschwarzwald
Land: Deutschland
Hi,

mein Minstrel ist ja auch noch relativ neu, aber inzwischen nahezu geräuscharm :D
Das Vasiline wurde mir beim Kauf mit den Worten "bei mindestens jedem zweiten Spulenwechsel, vorne und hinten", in die Hand gedrückt. Im Moment mache tatsächlich bei jedem Spulenwechsel gerade einen "Fingertapser" auf die Stellen am Spinnflügel, die Kontakt zum Lederlager haben. Die Menge ist wirklich sehr gering, aber sollte regelmäßig aufgetragen werden. Einmal habe ich's gelassen und bekam als Antwort prompt ein leises aber deutliches Quietschen.
Die Knechtlager *g*, am Anfang sehr qietschfreudig. Das Metall-auf-Metall-Lager benötigte anfangs stängig sehr wenig Öl (meins ist übrigens grünlich). Ich denke, dass das einfach seine Zeit braucht, bis es gründlich verteilt ist und dann ist gut.
Die Metall-Holz-Lager der Knechte bekamen ganz zu Anfang etwas Vasiline, das hat gereicht. Dann fing der eine Knecht plötzlich trotzdem an zu quietschen. Das hatte aber irgendwas mit dem Loch für die Metallstange an einer der Antriebstangen, der quitschenden halt, zu tun. Das Loch ist vielleicht nen kleinen Tacken zu knapp oder nicht exakt in der Flucht, keine Ahnung. Jedenfalls steckt jetzt im Holzschlitz oben ein dünnes Stück weiches Gummituch und seither ist Ruhe.

Also viel Schmiermittel hilft schon. Aber halt nicht viel auf einmal sondern ständig sehr wenig, jedenfalls am Anfang. Das ist so mein Eindruck.


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BeitragVerfasst: Sa 27. Apr 2013, 16:31 
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CD-Spindel

Registriert: Do 7. Apr 2011, 22:56
Beiträge: 14
Postleitzahl: 90522
Wohnort: Nürnberg
Land: Deutschland
Ich darf ergänzen um...

*Kettenfließfett - eigentlich zum Ölen und Putzen von Fahrradketten/Zahnradketten gedacht, ist es in meinem kleinen *hüstel* Schmiermittelkörbchen die Ergänzung schlechthin.
Es fließt nicht so schnell weg wie Nähmaschinen/Spinnradöl und ist nicht so viskös wie Plastilube.
Ich nehme es gerne für die Lager meines Polonaise, denn das Nähmaschinenöl fliegt mir da einfach davon....und das Plastilube ist zu viskös und dick.

Ansonsten ist Plastilube mein Schmiermittel der Wahl für alles, was lange haften soll - also zBsp. bei *schwätzenden* Spulen, denn da ist Öl ja eher kontraproduktiv - zum einen fliegt es einem um die Ohren, zum anderen verflüchtigt es sich recht schnell.
Ich schmiere meine Spulen beim Kromski und die nicht kugelgelagerten Spulen der Ella übrigens bei JEDEM Spulenwechsel.
Satt Plastilube geht auch reine Vaseline oder (Tip vom Herrn Leichtlen ;) ) Schrundencreme :-)

Sonnige Grüße, Ester


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BeitragVerfasst: Sa 27. Apr 2013, 17:20 
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Navajo-Spindel

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Land: Schweiz
Vivilein hat geschrieben:
geht auch reine Vaseline oder (Tip vom Herrn Leichtlen ;) ) Schrundencreme :-)

Also ich machs umgekehrt, ich verwende Vaseline als Schrundencreme, mit Erfolg :D

Ansonsten kann ich zu der Schmiererei nicht viel sagen, erstens weil ich durch dieses Forum überhaupt erst auf die Idee gekommen bin, mein Spinnrad zu schmieren (also jahrelang nicht geschmiert habe) und zweitens dafür nie was anderes als Spinnrad- oder Nähmaschinenöl verwendet habe. Aber das mit der Vaseline werde ich ausprobieren...

_________________
Geld haben ist schön, solange man nicht die Freude an Dingen verloren hat, die man für Geld nicht kaufen kann. Salvador Dali


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BeitragVerfasst: Sa 27. Apr 2013, 17:28 
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Großes Wollrad

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Beiträge: 1592
Postleitzahl: 82441
Wohnort: Ohlstadt
Land: Deutschland
Ich nehm Spinnradöl von Schacht
Karin


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BeitragVerfasst: So 28. Apr 2013, 10:24 
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Kreuzspindel

Registriert: Di 2. Apr 2013, 14:42
Beiträge: 26
Postleitzahl: 22337
Land: Deutschland
Mein ursprünglich mitgeliefertes Kromskiöl war auch bräunlich-schwärzlich, der Ersatz dann goldgelb und dünnflüssiger. Das Öl habe ich anfangs sehr regelmäßig in kleinen Mengen verwendet (wie von wetterleuchten beschrieben), inzwischen nicht mehr ganz so oft (z.B. nicht mehr bei jedem Spulenwechsel).

Neben dem Spinnradöl benutze ich für einige Stellen (Tritte, Spulen) selbstgemachtes Möbelwachs, da kann man die Konsistenz selbst beeinflussen. Meine aktuelle Mischung besteht aus Jojobaöl und Bienenwachs (plus Duft) und entspricht in der Konsistenz in etwa Vaseline.

Für die Knechte habe ich noch keine gute Lösung gefunden, mich stört das leichte, rhythmische Klackern aber auch nicht so. Die hier genannten Mittelchen kannte ich aber auch noch nicht alle, vielleicht probiere ich davon mal was aus.

Spingirl


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BeitragVerfasst: So 28. Apr 2013, 10:27 
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Fallspindel

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Beiträge: 69
Postleitzahl: 33129
Wohnort: Delbrück
Land: Deutschland
Ich persönlich finde es ganz fürchterlich, wenn plötzlich, nachdem ich das Spinnrad irgendwo geölt habe, das Öl runterläuft.
Daher habe ich vor Jahren schon den Tipp bekommen, Kugellager-Fett zu benutzen und es ist toll. Es verharzt nicht, bleibt da, wo ich es hingeschmiert habe und läuft auch nicht aus der Tube aus.
Wichtig ist halt immer nur, dass frau erst mal das alte Öl/Fett abputzt, z.B. von der Spulenachse, und dann das neue Fett aufträgt. Und nicht zu viel, da ist weniger oft mehr!
LG Silvia


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BeitragVerfasst: Mo 29. Apr 2013, 08:44 
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Taiga-Rad

Registriert: Sa 12. Jul 2008, 12:48
Beiträge: 907
Postleitzahl: 44670
Diese komischen Lager an der Radachse des Polonaise kriegen Fett - zuerst einen Rest Kugellagerfett (um Himmels willen nicht für Lederlager nehmen - damit habe ich mir eine Spule ruiniert), jetzt Lithiumschmiere aus dem Baumarkt (eigentlich für den Balkenmäher gekauft). Lederlager, Spulenlager und die Achsen des Mazurka kriegen Ballistol - ich habe nicht das Gefühl, dass da bei hoher Geschwindigkeit (die ausserdem so hoch nicht sind) die Schmierwirkung nachläse. Für den Minispinner wird Superlube (flüssig und als Paste) empfohlen, die habe ich gleich mitgekauft. Beim Henkys kriegten nur die Lederlager in den Spulen am Anfang das mitgelieferte Nähmaschinenöl, jetzt Ballistol (wenn ich denke, es braucht was - wenn das Leder erst mal durchgetränkt ist, muss man nicht mehr viel nachölen, finde ich).

Ciao, Klara

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http://www.lahottee.info


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BeitragVerfasst: So 5. Mai 2013, 11:30 
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CD-Spindel

Registriert: Mi 30. Sep 2009, 20:27
Beiträge: 20
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Wohnort: effelter
Land: Deutschland
Ich nehme auch fast immer Ballistol.Sowohl mein Mewes Rad als auch das Rad von Herrn Leichtlen und nicht zuletzt das Little Gem mögen es. Plastilube habe versuchsweise für die Spulen des Leichtlen Rades genommen, das war zu zäh.

Sarabande


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BeitragVerfasst: So 5. Mai 2013, 18:59 
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Tahkli
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Beiträge: 103
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Ehrlich? Ich nehme für meine klassischen Räder dasselbe Fett wie für den Trecker (Deutz 6006, BJ 1973), ein Mehrzweckfett für Kugel- und Gleitlager vom Landmaschinenhändler meines Vertrauens. Damit werden die Materialkombinationen Stahl/Stahl, Messing/Stahl, Leder/Stahl und Holz/Stahl versorgt, und zwar tendentiell eher verschwenderisch als sparsam.

Die Materialkombination Holz/Holz (z.B. Holzgewinde, Trittlager bei der Schwedin) wird mit Paraffin vom Teelicht versorgt.

Einzig der WooleeWinder am E-Spinner bekommt ab und zu etwas Silikonspray. Dabei hoffe ich, dass daran nicht allzuviele Flusen klebenbleiben. Die sind nämlich der große Feind der kleinen, feinen Mechanik. Der braucht das aber auch gern etwas häufiger (ca. Spulenwechsel, manchmal auch zwischendurch).

Ob das so die beste denkbare Methode ist, weiß ich nicht.

Nachteile von anderen Schmiermitteln: Flüssige Mittel wie Ballistol, Nähmaschinenöl usw. ziehen ins Holz ein, verflüchtigen sich schnell und müssen laufend nachgeliefert werden. Vaseline ist hitzeempfindlich, wird dann auch flüssig. Bienenwachs ist kein Schmiermittel sondern macht im Gegenteil Sachen griffiger.

Beste Grüße -- Thomas

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Schon gesehen? Handspinnwiki!


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