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 Betreff des Beitrags: Angorawollverarbeitung
BeitragVerfasst: Mi 26. Aug 2009, 14:59 
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Kreuzspindel

Registriert: Mi 26. Aug 2009, 14:45
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Land: Deutschland
Hallo,

ich habe schon gesehen, ich bin hier unter Fachleuten... ich muss mich da wohl unter die blutigen Anfänger zählen und bitte um Nachsicht und Geduld ;)

Über eine glückliche Wendung bin ich im temporären Besitz eines Spinnrades. Es ist ein Ashford traditionell, wenn ich es anhand der Bilder im Internet richtig wiedererkenne.

Meine ersten Versuche mit Coburger Fuchsschaf Rohwolle habe ich gemacht und es hat besser geklappt als erwartet. ich habe direkt aus dem Vlies gesponnen, zwei Fäden verzwirnt und dann gewaschen. Daraus ist sogar schon eine Tasche entstanden...

Jetzt habe ich aber Zugang zu Angorawolle und habe mich auch daran versucht. Ich habe es gemacht wie mit der Schafwolle und es direkt ohne Kämmen oder waschen versucht. Der Faden wurde sehr viel dicker, ungleichmäßiger und ich hatte viel häufiger das Problem, dass mir der Faden gerissen ist, bzw. nicht die richtige Menge Wolle nachgezogen wurde.
Ungekämmt geht es dann wohl nicht... ich bin auch schon auf der Suche nach günstigen Handkarden.

Ich habe hier gelesen, dass man für Angora am besten Baumwollkarden verwendet. Gibt es diese Unterscheidung auch bei Handkarden und welche würdet ihr mir für den Anfang empfehlen?
Würdet ihr die Angorawolle immer mischen? Wenn ja mit was und in welchem Verhältnis? Was ist der Nachteil an purer Angorawolle? Fusselt der gesponnene Faden stark? Gibt es noch weitere Tricks: Waschen, Anti-Fussel, usw.?

Es wäre ganz toll, wenn ihr mir ein bißchen auf die Sprünge helft. Es wäre doch schade um die schöne Wolle :?

Liebe Grüße
Cherubina


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 Betreff des Beitrags: Re: Angorawollverarbeitung
BeitragVerfasst: Mi 26. Aug 2009, 21:01 
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Taiga-Rad

Registriert: Sa 12. Jul 2008, 12:48
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Wegen Angora musst du keine Karden kaufen - mit den Fingern direkt vor dem Spinnen auseinanderzupfen (eine kleine Handvoll nehmen, wirklich gründlich die Haare voneinander trennen und eventuelle Klumpen wegwerfen und dann gleich verspinnen) reicht, wenn du das Angora pur verspinnen willst. So mach's ich immer - nur keine überflüssige Arbeit! Angora pur gibt eine angeblich sehr warme Wolle (mir ist mein Schal gerade Recht, aber ich bin auch verfroren). Angora ganz gleichmässig hinzukriegen, ist extrem schwierig, ich schaff's auch nicht. Gegen den reissenden Faden hilft, die Bremse ganz locker einzustellen (oder, wenn dein Rad zweifädig ist, die Spannung des Antriebsriemens zu lockern. Oder umzubauen auf Spulenbremse.)

Das Fusseln vermindert man, indem man die Wolle 1. mit viel Drall recht fein verspinnt 2. mit viel Drall verzwirnt und 3. den fertigen Strang beim Waschen leicht anfilzt, indem man das tut, was man sonst beim Wolle waschen tunlichst vermeidet: Abwechselnd heisses und kaltes Wasser und kräftig durchkneten. Der Strang sollte dazu mit nichtfilzendem Material abgebunden sein (ich nehme Baumwoll-Häkelgarn), und lieber zu oft als zu wenig. Und unbedingt mit Achter, nicht den Bindfaden nur aussen um den Strang wickeln! Beim Knäuel wickeln kleben die Fäden dann ein bisschen zusammen, aber wenn man beim Filzen nicht übertrieben hat, kriegt man sie schon wieder auseinander.

Wenn du doch Karden willst, ja, Baumwollkarden gibt es auch bei Handkarden (eigentlich kenne ich sie nur von Handkarden), aber eine Bezugsquelle in Europa kann ich dir nicht nennen, da ich meine aus Amerika habe. Du könntest aber die feinen Karden von Ashford probieren (in meinem Katalog laufen sie unter HCLC), die müssten zu kriegen sein. Die sind nicht ganz so fein wie meine Baumwollkarden von Strauch, aber feiner als alle anderen Karden, die ich bis jetzt gesehen habe.

Viel Spass! Klara

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 Betreff des Beitrags: Re: Angorawollverarbeitung
BeitragVerfasst: Mi 26. Aug 2009, 21:42 
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Kreuzspindel

Registriert: Mi 26. Aug 2009, 14:45
Beiträge: 47
Postleitzahl: 35435
Land: Deutschland
Das macht mir ja Mut, danke!

Also einen möglichst feinen Faden mit viel Drall... ich habe ja genug Material, um das zu üben ;)
Aber das mit dem Filzen habe ich nicht ganz verstanden. Wie binde ich den Faden ab? Lasse ich den Baumwollfaden mit dem Angorafaden laufen und wickele die beiden Fäden gemeinsam in eine große Schlaufe? Was ist "Achter"? Oder meinst du, dass die Fäden, die meinen Angorawollfaden in der Schlinge halten, mit denen ich sie also zusammenbinde, aus Baumwolle sein soll?

Ich habe leider keine Haspel. Ich habe die Wolle nach dem Spinnen immer auf ein großes Kunststoffschneidebrett gewickelt und damit auch gewaschen...

Ich lerne die passenden Vokabeln schon noch :oops:

Liebe Grüße
Cherubina


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 Betreff des Beitrags: Re: Angorawollverarbeitung
BeitragVerfasst: Mi 26. Aug 2009, 22:41 
Hallo Cherubina, hallo Klara,

ich hab zwar keine Angora-Wolle, aber Golden-Retriever- Unterwolle und Maine-Coon-Katzenwolle gerade in der Mache.
Ich machs auch wie Klara- mit den Fingern auseinanderzupfen, aufpassen, dass keine Knubbeln drin sind und dann... naja.
Versuchen und am Rad drehen, bis es passt.
Kleiner Tipp meinerseits:
Das gesamte Rad an allen Drehpunkten kräftig mit Nähmaschinenöl oder Ballistol (Waffenöl) einölen- dann sollte mit entsprechend schwacher Einstellung der Bremse (? Hilfe, Klara!) das Rad schön gleichmäßig und so gut wie gar nicht einziehen.
Musste halt guggen, wieviel Einzug Du brauchst.
Fein kann ich Kaninchen- Katzenwolle erst spinnen, seit mir mein Vater (immerhin schon 82 Jahre jung) zeigte, wie ich das zweifädige Rad richtig adjustiere..., bin eben blond :lol:
So fein will ich die Wolle aber auch gar nicht (mehr) haben.
Maine-Coon-Katzenwolle macht sich erst richtig schön, wenn sie wie Angora ausflust.
Was bedeutet, dass ich die Wolle etwas dicker verarbeite- etwa Nadelstärke 3,0, doppelt gezwirnt, aber mit 7,0 stricke, damit diese schönen Fasern richtig zur Geltung kommen und hübsch weich ausflusen.
Wie das bei Angora (Ziege oder Kaninchen?) aussehen wird, weiss ich nicht, da ich diese Wolle noch nicht verarbeitet habe.

Abbinden heißt, den fertigen, gezwirnten Strang auf der Haspel schon sanft abbinden, an drei verschiedenen Stellen, dann von der Haspel nehmen und in warmem Wasser über Nacht einweichen.
Das Kunststoffschneidebrett ist eine echte Alternative- ich habe früher meine gezwirnte Wolle um die Lehne meines Chefsessels gewickelt, dann dort dreimal (viel zu stark) abgebunden, abgenommen und danach in heißem Wasser über Nacht liegen gelassen.
Am nächsten Morgen holte ich sie aus dem Eimer, drückte sie kräftig aus und hing sie dann an der Wäscheleine im Bad mit einem 5-Pfünder-Hammer beschwert, auf.
Am nächsten Tag wechselte ich den Hammer und somit die Beschwerungsstelle. Nach zwei Tagen war sie meist trocken genug, um sie zu drehen oder auf den Wollwickler aufzuziehen.

Achtern?
Hallo Klara, ich weiß auch nicht, was das heißt!
Achtmal drumwickeln?
Schon auf der Haspel?

Liebe Grüße von

Tina


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 Betreff des Beitrags: Re: Angorawollverarbeitung
BeitragVerfasst: Do 27. Aug 2009, 15:57 
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Taiga-Rad

Registriert: Sa 12. Jul 2008, 12:48
Beiträge: 907
Postleitzahl: 44670
Ich hab' zum Glück eine Drehhaspel (macht das Leben leichter). Zwischen den Holzarmen binde ich den Strang jeweils zusammen (also 4 x auf 1,50 m). Damit ich da ganz locker binden kann, aber der Bindfaden trotzdem nicht verrutscht, schlinge ich einmal durch die Mitte des Strangs. Da aber trotzdem alle Fäden zusammengebunden werden müssen, liegt der Bindfaden dann in Form einer 8. Ich hab' gerade versucht, ein Foto zu finden, aber ohne Erfolg auf die Schnelle. Hier ist ein Link zu einem Video http://www.youtube.com/watch?v=-4v4lM0oozc aber mit Modem kann ich das nicht anschauen, weiss also nicht, wie da abgebunden wird.

Auf ein Kunststoffbrett gewickelt anfilzen geht vielleicht/wahrscheinlich nicht richtig (ich hab's aber noch nicht probiert), weil meine Wolle beim Anfilzen immer viel kürzer wird - wo sollte sie denn hin? Und kneten und rubbeln geht mit losem Strang auch leichter. Und trocknen sollte er auch schneller. Beim Trocknen beschweren tu ich auch nie - da hätte ich zu viel Angst, dass die verstrickte Wolle sich beim nächsten Waschen wieder zusammenzieht (Elizabeth Zimmermann empfiehlt deshalb sogar, Wolle nicht zu festen Knäueln zu wickeln!).

Aber probier aus, wie's bei dir am besten geht - für Faserverarbeitung gibt's keine Patentrezepte.

Ciao, Klara

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 Betreff des Beitrags: Re: Angorawollverarbeitung
BeitragVerfasst: Do 27. Aug 2009, 16:14 
Hallo Klara,

ach sooo!
hab jetzt verstanden, was Du mit "achtern" meinst ;-)
So kompliziert habe ich das nie gemacht.
Es hat sich dennoch nix "verwickelt".
Auch später nicht, beim Auflösen für den Wollwinder.
Das ist eine gute Idee, insbesondere für feinere Garne.
Danke für den link!

Liebe Grüße von

Tina


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 Betreff des Beitrags: Re: Angorawollverarbeitung
BeitragVerfasst: Do 27. Aug 2009, 20:35 
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Kreuzspindel

Registriert: Mi 26. Aug 2009, 14:45
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Ja, auf dem Video wird "geachtert"

Also in der Theorie habe ich jetzt glaube ich das nötige Rüstzeug um anzufangen. Jetzt will ich mal sehen, ob mein zweiter Angoraspinnversuch besser läuft als der erste. Drückt mir die Daumen (wenn ihr in den Spinnpausen welche frei habt).

Liebe Grüße
Cherubina


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 Betreff des Beitrags: Re: Angorawollverarbeitung
BeitragVerfasst: Do 27. Aug 2009, 21:31 
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Kreuzspindel

Registriert: Mi 26. Aug 2009, 14:45
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Es klappt!

Durch das auseinanderzupfen der Wolle vor dem Spinnen ist es viel einfacher geworden und mit viel Mut zu ordentlich Drall entsteht ein superschöner, gleichmäßiger, recht dünner Faden :-)

Vielen Dank euch noch mal...

Jetzt noch eine Anfängerfrage (auch wenn die jetzt wahrscheinlich nicht mehr sehr Angoraspezifisch ist):
Wenn ich zwei Fäden verzwirne, mache ich das ja in die entgegengesetzte Richtung. Wenn ich dies wieder mit viel Drall mache, löst sich dann nicht der Drall vom ersten Mal wieder? Bei der Schafwolle hat mir das nie Probleme gemacht, aber die fliegt einem auch nicht so leicht in Fusseln um die Ohren :-)

Liebe Grüße
Cherubina


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 Betreff des Beitrags: Re: Angorawollverarbeitung
BeitragVerfasst: Fr 28. Aug 2009, 11:32 
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Taiga-Rad

Registriert: Sa 12. Jul 2008, 12:48
Beiträge: 907
Postleitzahl: 44670
Cherubina hat geschrieben:
Wenn ich dies wieder mit viel Drall mache, löst sich dann nicht der Drall vom ersten Mal wieder?


Richtig erkannt! Ein Teil des Dralls geht wieder raus (für Zweifachzwirn soll der Zwirndrall 2/3 des Spinndralls ausmachen), aber dafür werden die beiden Einzelfäden umeinander gewickelt, was wieder Stabilität bringt. In der Praxis löst sich fest gesponnenes Garn bei der Verwandlung in einen normalen Zweifachzwirn nicht so schnell auf (einfach rumprobieren).

Beim Navajozwirnen und diversen Effektgarnen sieht's wieder anders aus.

Zur Beruhigung: Falls du beim Verzwirnen feststellen solltest, dass der Spinndrall doch nicht ausreicht, kannst du immer noch mit dem Zwirnen aufhören und die Einzelfäden noch mal nachverdrehen (einfach noch mal in ursprünglicher Richtung durchs Spinnrad laufen lassen).

Ciao, Klara

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 Betreff des Beitrags: Re: Angorawollverarbeitung
BeitragVerfasst: Mi 8. Sep 2010, 13:29 
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Kreuzspindel

Registriert: Mi 26. Aug 2009, 14:45
Beiträge: 47
Postleitzahl: 35435
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Ich wärme mein altes Thema mal wieder auf, denn hierher passt auch meine nächste Frage:

Hat jemand von euch Angorakaninchenwolle schonmal mit anderen tierischen Fasern gemischt? Ich habe inzwischen außer gewaschener und noch unkardierter Coburger Fuchs Wolle noch eine schöne dunkelbraune Schafwolle im Kardenband (war ein Geschenk und ich weiß nicht, was es für eine Rasse ist) und außerdem habe ich mir noch kunterbunt gefärbtes Merino-Kardenband bestellt. Mit in der bestellten Kiste liegen dann auch meine Handkarden.

Ich würde gerne etwas herumexperimentieren und die verschiedenen Farben und Wollqualitäten vor dem Spinnen mischen. Wie gut klappt das mit Angora? geht sie in der Schafwolle förmlich unter oder wertet sie diese wirklich auf? In welchem Verhältnis habt ihr gemischt?

Ich werde auch so einiges probieren, aber es wäre doch schön vorher ein paar Erfahrungsberichte zu lesen.

Liebe Grüße
Cherubina


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