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Forum rund um das Spinnen mit Spinnrad und Handspindel
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BeitragVerfasst: Mo 3. Apr 2017, 11:40 
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Tahkli

Registriert: Mi 16. Mär 2011, 08:54
Beiträge: 106
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Hallo,

ich habe neulich auf einem Markt eine Spinnerin aus Holland getroffen. Sie verspann Wolle vom Texelschaf - von groben Rückständen befreit - aber ansonsten ungewaschen und unkardiert. Neben den fertigen Strängen mit ungewaschener Wolle lagen welche, die bereits gewaschen waren. Und nun stellt sich für mich die Frage nach dem Sinn der ganzen Vorarbeit. Denn in den gewaschenen Strängen war kein Schmutz mehr zu finden und auch keine Knötchen, so wie sie eingesponnene Sandkörnchen nun mal bilden. Vielleicht mal davon abgesehen, dass man den ganzen Schmutz nicht in der Wohnung oder auf dem Spinnrad möchte, macht es vielleicht auch einen Unterschied, wie grob die Wolle ist, die man verspinnt? Und kann man sich bei gröberer Wolle das ganze "Feintuning" nach dem Entfernen grober Schmutzteile auch sparen? Wie sind da eure Erfahrungen?

Liebe Grüße
Toto


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BeitragVerfasst: Mo 3. Apr 2017, 18:49 
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Flügelspinnrad

Registriert: Fr 20. Mai 2011, 15:26
Beiträge: 568
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Land: Deutschland
Hi,

auf einem Markt auf Amrum traf ich auch eine Frau, die erst spann und dann die fertigen Stränge in der Waschmaschine (!) wusch.

Die ungewaschene Rohwolle, die ich bisher so hatte, würde ich nicht im Wohnzimmer haben wollen und auf ein Lanolin-Schlamm-Gemisch-Schlonz am Spinnrad kann ich auch verzichten.

Ich habe allerdings schon Milchschaf "aus der Flocke" versponnen, das war etwas gewaschen, weiß und noch mit Restfett, nicht kartiert oder gekämmt. Das ging gut, verteilte aber schon noch Brösel und wachsartigen Lanolinstaub in der Gegend. Das Garn wurde schön, aber anders als aus kardierter oder gekämmter Wolle.

Die zweite Portion habe ich dann doch nochmal gewaschen und gekämmt. Kammzug und kardierte Kämmlinge versponnen. Wurde natürlich wieder anders.

Miesi verarbeitet auch gerne Texel roh: http://gitta-diemiesi.blogspot.de/2017/03/move-on.html, auch in früheren Posts hat sie davon berichtet.

Ich denke, man kann machen, was einem taugt.
Wenn ich mal die passende Rohwolle dazu hätte, würde ich das auch probieren.

LG Hummelbrummel

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http://www.hummelbrummel.blogspot.de/


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BeitragVerfasst: Mo 3. Apr 2017, 20:58 
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Buch-Charka
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Seit ich einmal am Kachelofen neben einer Frau saß, die ihre Wolle roh versponnen hat (und die hat sie erst da grob vorsortiert, die Köttel waren auch noch in der Tüte :o ), wird mich niemand dazu bringen, meine Wolle dreckig zu verspinnen, das Geruchserlebnis ist mir noch in lebhaftester Erinnerung :evil: :roll: (der Kachelofen war gut geheizt) und mein Spinnrad ist mir für den ganzen Schmodder echt zu schade :roll:. Außerdem lässt sich das mit dem klebrigen Fett sicher nicht so schön ausziehen

_________________
Liebe Grüße
Gabi


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BeitragVerfasst: Fr 7. Apr 2017, 10:32 
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Taiga-Rad

Registriert: Sa 12. Jul 2008, 12:48
Beiträge: 907
Postleitzahl: 44670
Ausziehen geht, wenn die Wolle frisch geschoren und das Wetter warm ist, hab' ich zu Demonstrationszwecken bei Festen mit Schafschur auch schon gemacht. Allerdings mit der Spindel versponnen, denn ich schliess mich meinen Vorrednern an: Den Dreck will ich nicht am Spinnrad haben! (Aus irgendeinem Grund fliegt ja auch noch genug Dreck rum, wenn man mit gewaschener Wolle arbeitet....)

Zweiter Sinn der ganzen Vorarbeit: Gut vorbereitete Wolle verspinnt sich leichter und schneller. Ich hab's noch nicht mit der Stoppuhr überprüft, aber ich vermute, dass die Gesamtarbeitszeit von der Rohwolle bis zum strickfertigen Strang ziemlich gleich bleibt (für gleiche Strangqualität, natürlich).

Dritter Grund für Waschen: Ich färb' gerne in der Flocke, also gleich nach dem Waschen, vor dem Kardieren.

Ciao, Klara

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http://www.lahottee.info


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BeitragVerfasst: Sa 13. Mai 2017, 11:16 
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Tahkli

Registriert: Mi 16. Mär 2011, 08:54
Beiträge: 106
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Land: Deutschland
Gabypsilon hat geschrieben:
(und die hat sie erst da grob vorsortiert, die Köttel waren auch noch in der Tüte
:o

Nein, das ist auch nichts für mich. Grob vorsortiert war die Wolle, Köttel konnte ich keine entdecken und auch grobe Pflanzenteile nicht. Aber ihr habt schon recht. Im Wohnzimmer mag ich das auch nicht haben. Ich sehe auch so auf dem Boden, wenn ich von Hand vorbereitete Wolle versponnen habe. Wobei ich glaube, dass das Lanolin wie Kleber wirkt und viel Staub bindet. Aber ich denke, schon, dass die Wolle feiner wird, je mehr Arbeit man in die Vorbereitung steckt.


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BeitragVerfasst: Sa 13. Mai 2017, 15:55 
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Spinning-Jenny
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Das mach(t)e ich nur, wenn es ausgesucht saubere frisch geschorene Wolle war in denen die Locken noch intakt waren und man so schön aus der Flocke heraus spinnen konnte.
Früher habe ich dafür nur mein 'unterwegs-Rad' (olles Louet oder Delft - große Spinnöffnung und beide Räder lackiert - leicht zu reinigen) dafür verwendet und es auch (bis auf ganz wenige Ausnahmen) nur draußen gemacht.

Allerdings würde ich auf diese Weise nicht allzu dick spinnen (denn wie sollte der Dreck ansonsten aus der Mitte des Garnes herausgewaschen werden).

Ich habe so besonders schön Garne mit relativ wenig Drehung gesponnen. Wobei man allerdings auch aufpassen muss, dass noch genügend Drehung drin ist, so dass das Garn auch nach dem Waschen noch stabil ist. Nicht dass nur das Wollfett die Fasern zusammengepappt hat.

In der Handarbeitswelle den 70er-80er Jahren hat man dies viel öfters gemacht. Da hieß es auch durch die Bank weg, dass Rohwolle besser sei, um Spinnen zu lernen, weil die Fasern damit eher aneinanderhaften und so der neue Faden nicht so schnell reißt.

Es ist deutlich ein anderen Spinn-Feeling. Es fühlt sich ganz anders an. Die Fasern lassen sich schwerer ausziehen ...
Allerdings hat man nachher superweiche Hände ...

_________________

Meine Seiten: www.spinntantchen.de und www.nadelbindung.de



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BeitragVerfasst: Fr 9. Jun 2017, 09:16 
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Taiga-Rad

Registriert: Sa 12. Jul 2008, 12:48
Beiträge: 907
Postleitzahl: 44670
spinntantchen hat geschrieben:
....

In der Handarbeitswelle den 70er-80er Jahren hat man dies viel öfters gemacht. Da hieß es auch durch die Bank weg, dass Rohwolle besser sei, um Spinnen zu lernen, weil die Fasern damit eher aneinanderhaften und so der neue Faden nicht so schnell reißt.
...


Und gleichzeitig hiess es, dass handgesponnene Wolle nicht als Kettgarn geeignet sei... Manchmal ist es ein Glück, dass sich die Zeiten ändern!

Ciao, Klara

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