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BeitragVerfasst: Do 17. Jul 2008, 20:57 
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Spinning-Jenny
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im alten Forum geschrieben am 25.05.2006 - 22:09


Huhu,

da wir diese Technik schon mehrfach in anderen Rubriken angesprochen hatte (nämlich hier und hier), fange ich einfach mal damit an, um den ersten Spinntechnik-Thread aufzumachen.

Kurze Zusammenfassung/Anleitung:

Wie die englische und deutsche Bezeichnung schon vermuten lassen, ist hiermit die Spinntechnik gemeint, bei der die Fasern einmal über den Finger gefaltet gehalten werden und vom Knick über der Fingerspitze herunter wegversponnen werden.

Hierzu trennt man sich z.B. von einem Kammzug eine Stück von einer Faserlänge ab und legt es in der Mitte gefaltet über den Zeigefinger (anderer Finger auch denkbar). Mit den beiden daneben liegenden Finger übt man seitlich einen Druck auf die Faserenden unter dem Zeigefinger aus und kann so steuern, wie viele Fasern von der Drehung ergriffen werden.

Diese Technik eignet sich wunderbar für Fasern, mit denen man Probleme hat, sie von einem Ende wegzuverspinnen. Gerade rutschige glatte Fasern kriegt man so sehr gut in den Griff.

Auch wenn (gerade Anfänger) bei der Verarbeitung von Kammzügen mit recht langen Fasern Probleme haben, kann man zu dieser Technik übergehen.


Aber nun zu allen, die Bilder oder ähnliches brauchen:

Wie beide dieser Anleitungen schon zeigen, ist diese Technik auch super zum Handspindeln geeignet. Schließlich muss man immer nur kleinere Fasermengen händeln und es kommt zu keinem Verheddern ...

Was für Erfahrungen habt Ihr denn mit dieser Spinntechnik gemacht?

... und bei welchen Materialien habt Ihr sie erfolgreich (oder nicht) eingesetzt?


Am Anfang meiner Spinnkarriere war sie der Schlüssel für mich, um überhaupt einen rutschigen Seidenkammzug verspinnen zu können.

Insbesondere mit der Spindel nehme ich diese Technik gerne für sehr langfaserige und feine Kammzüge (z.B. lange Merino), wenn es sehr dünnes Garn geben soll.

Was man allerdings wohl beachten sollte:
Durch das Falten halbiert man sozusagen auch die effektive Faserlänge im Garn d.h. ein über den Finger gesponnenes Garn braucht theoretisch mehr Drehung bzw. wird weniger stabil verglichen mit einem an sonsten gleichartigen Garn, welches vom Ende des Kammzuges verponnen wird. Aber das ist in der Regel nur von theoretischer Bedeutung und würde nur zum Tragen kommen, wenn man an die Belastungsgrenzen der Garne etc. gehen würde. Also z.B. wenn man ein so wenig wie möglich gedrehtes Garn herstellen will ... und dieses anschließend noch als Kettgarn verwenden will oder so :dizzy:

Natürlich kann man rein praktisch auch mit dieser Methode schön stabiles Garn spinnen :cool:

Ich bin gerade am Überlegen, ob die einmal gefalteten Fasern so viel Unterschied bei der Faserstruktur innerhalb des Garnquerschnittes machen dürften als wenn die Fasern von einem Ende her versponnen würden?
Was denkt Ihr - verursachen die Knicks in den Fasern irgendwie mehr Luft im Garnquerschnitt oder ist das vernachlässigbar?
(Also im Prinzip die Frage, ob das Garn durch die Technik einen Tick mehr von kammgarnartig nach streichgarnartig rutschen würde)

_________________

Meine Seiten: www.spinntantchen.de und www.nadelbindung.de



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BeitragVerfasst: Di 12. Jul 2011, 23:22 
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Akha-Spindel

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Ich habe mit dieser Technik sehr gute Erfahrungen mit den langen Auszug gemacht. Beim normalen Ausziehen hakt es manchmal und beim langen Auszug kann man die Fadenstärke schlechter kontrollieren, da beim kurzen Auszug man mit den ziehenden Fingern die Fadenstärke kontrolliert und beim langen Auszug hängt es mehr vom Drall des Fadens ab, der schwieriger zu kontrollieren ist. Ist zu wenig Drall drauf, wird der Faden zu dünn oder reißt sogar. Deswegen habe ich bei vielen Beispielen beim langen Auszug oft schwangere Regenwürmer gesehen und bei mir ebenso. Faltet man jedoch das Faserbündel über den Finger, dann hat man mehr Kontrolle über die Fasern und wegen der geringen Fasermenge ist der Kraftaufwand geringer.

Mit einer Charka muß man mit der einen Hand die Spindel drehen und gleichzeitig mit der anderen den Faden erzeugen, wo dann diese Technik ideal ist.

Macht man das Faserbündel doppelt so lang wie die Faserlänge, dann halbiert man diese nicht! Bei kurzen Fasern würde eh das Faserbündel die Faserlänge überschreiten.


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BeitragVerfasst: Mi 13. Jul 2011, 06:24 
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Großes Wollrad

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Der lange Auszug ist von der Fadenstruktur her schon unregelmäßiger das stimmt.Egalisiert sich aber meist beim zwirnen und waschen bzw. weiterverarbeiten.
Trotzdem spinne ich ihn nie aus der Falte.

Ich denke,langer Auszug gibs ja in versch. Techniken, Mischformen.
Bei mir ist es eigentlich genau anders, da wo der Faden sehr dünn ist, ist viel Drall.
Ich ziehe Stück für Stück nach hinten , bis der Drall den Faden stabil gemacht hat, oder lasse das Rad ziehen und bewege den Arm kaum.
Ist Matierialabhängig

Ich verwende die from the fold Technik evlt mal bei Seide, aber auch eher selten.
Ich finde es unsinnig die Stapellänge zu verkürzen, weil ich sehr gerne langen Stapel spinne.

Kann aber jeder halten wie er will ;-)

Karin


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BeitragVerfasst: Sa 11. Feb 2012, 19:17 
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Akha-Spindel

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Ich benutze seit längerem diese Spinntechnik und habe immer brav die Wolle über den Zeigefinger gelegt. Irgendwie macht man es nie immer gleich, so daß man mit der Zeit unmerklich die Methode verbessert. Da beim langen Auszug die Wolle besonders locker sein muß, was für Kammzüge wichtig ist, stellte ich fest, daß das über den Finger legen der Fasern nicht so optimal ist, weil eine leichte Spannung in dort hineinkommt. Außerdem stellte ich fest, daß die Fadenstärke leicht unregelmäßig wird, da beim Ausziehen das Faserdreieck mal zur einen Seite und dann zur anderen Seite der Falte oder des Fingers wandert, wo mal verstärkt Fasern auf der einen oder anderen Seite austreten. In diesem Falle wird das Spinnen so, als würde man ohne Falte aus der Spitze eines Kammzuges ausziehen.

Gleichmäßiger wird es, wenn die Fasern zu beiden Seiten herauskommen und das Faserdreieck genau über der Falte zu liegen kommt. Doch das ist nicht so einfach wegen der unterschiedlichen Faserdichte an einigen Stellen im Kammzug oder Vlies.

Nun habe ich einmal die Wolle nur gefaltet und nicht über den Zeigefinger gelegt.
So umgriff meine Handfläche die beiden zuzammengelegten Enden des Faserbüschels und die die Falte oder Schlaufe hing also frei in der Luft oder teilweise in der hohlen Handfläche. Die Fasern waren also nicht mehr leicht angespannt, als wenn die Falte über den Zeigefinger liegen würde. Der Zeigefinger und Daumen waren jetzt nun frei, um den Faden zu greifen, falls man ihm einen starken Drall verpaßt und diesen nicht in die Fasern laufen lassen will bzw. konnte man mit den nun freien Fingern faserregulierend leichter eingreifen.

Beim Auszug verformte sich die Schlaufe (Falte) zu einer Spitze, so daß das Faserdreieck nicht mehr wanderte und und die Fasern leicht und gleichmäßig und stabil zu beiden Seiten der Falte austraten. Das Ergebnis war ein sehr gleichmäßiger Faden und der lange Auszug ging sehr schnell von statten. Ich denke, das mit dem über den Finger legen keine so gute Idee ist.

Was die Stapellänge betrifft, so habe ich mal das genauer analysiert. Ich las oft, daß diese Stapellänge im Faden wegen des Knicks halbiert wird. Das wollte ich genauer wissen!

Meine Untersuchungen ergaben etwas Überraschendes. Der größte Teil wird nicht halbiert! Das Stück Kammzug oder das Vlies in den Händen ist gewöhnlich länger als die Stapel- oder Faserlänge. So entsprechen die zu beiden Seiten der Falte herausgezogenen Fasern größtenteils der Faserlänge oder Stapellänge und diese werden am meisten aufgebraucht. Ein winziger Teil der Fasern allerdings machen im Faden einen Knick, wo ggf. die halbe Faserlänge im Faden parallel zu liegen kommt. Das betrifft in etwa 0.2 % - 0.3 % der Fasern, die direkt über dem Faltenscheidel ergriffen worden sind, und sie fallen gegenüber den kurzen Fasern im Faserbüschel kaum ins Gewicht, jedoch drücken diese paar geknickten Fasern den Faden etwas auseinander, weswegen er leicht fluffiger wird. Beim langen Auszug zieht sich der Faden immer noch auseinander, bevor er fest verdrillt. Während diesen Vorgangs werden geknickten Fasern oft gerade gestreckt so daß sich der Knick auflöst! Bei sehr dünn gesponnenen Faden konnte ich leicht die Stellen im Faden finden, wo es zu solch einen Faserknick kam (oft gruppenweise), und so konnte ich die Prozentzahl (0.2 % - 0.3 %) grob ermitteln. Eine weitere Messung kam hinzu, als ich genau auf das Faserdreieck schaute, und die Fasern zählte, die geknickt in den Faden gelangten. Davon wurden Bilder über den Scanner gemacht und über ein von mir entwickeltes Computerprogramm ausgewertet. Ebenso wurdem aus Bilddaten bei dünnen Fäden die Fasern per Programm direkt gezählt, und die geknickten Fasern wurden getrennt davon erkannt und ermittelt. Das Ergebnis war das Gleiche, wie die grobe Abschätzung der Knickstellen bei dünnen Fäden. Über dickere Fäden habe ich keine Analysen gemacht. Untersucht habe ich das Ganze mit dünner glatter Merinowolle.
Falls sie es selbst einmal grob analysieren wollen, dann nehme man in die eine Hand ein Stück Kammzug und falte es. Mit der anderen Hand nehme man eine Standspindel oder ein Spindelstock. Man kann auch ein Schaschlickspieß als Spinnstock verwenden. Dann spinne man einen Faden und macht einen langen Auszug in Zeitlupentempo. Währenddessen schaut man genau auf das Faserdreieck, wo man erkennen kann, daß sich die am Faltenscheitel geknickten Fasern noch im Faserdreieck sich gerade biegen. Dann zähle man die tatsächlich geknickten Fasern, die in den Faden hineinverdrillt werden. Es sind erstaunlich wenige! Es sind größtenteils nur die Fasern geknickt, die am Fadenanfang sind, wo die Fasern sich befinden, die man am Faltenscheidel zuerst gegriffen hat! Bei einen
0.5 mm dünnen Faden von 1m Länge zählte ich nur vier geknickte Fasern, wo die Stapellänge verkürzt wurde! Wer also das genau einmal gesehen hat, weiß, daß die Verkürzung der Fasern im Faden durch geknickte Fasern ein Märchen ist, wenn man aus der Falte spinnt!

Da der lange Auszug oft mit kardierter Wolle (Rollags) gemacht wird, ist dort die Verkürzung der Stapellänge wesentlich stärker als beim Spinnen mit einem Kammzug aus der Falte. Außerdem ist ein langer Auszug vom Kammzug aus der Spitze eh schwieriger oder unmöglich, sofern man nicht die Fasern von der Seite nimmt. Doch das tut man ja gerade beim Spinnen aus der Falte.

Gruß Wolfgang


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BeitragVerfasst: So 12. Feb 2012, 19:54 
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Großes Wollrad

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Beiträge: 1592
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w_ciossek hat geschrieben:
Da der lange Auszug oft mit kardierter Wolle (Rollags) gemacht wird, ist dort die Verkürzung der Stapellänge wesentlich stärker als beim Spinnen mit einem Kammzug aus der Falte. Außerdem ist ein langer Auszug vom Kammzug aus der Spitze eh schwieriger oder unmöglich, sofern man nicht die Fasern von der Seite nimmt. Doch das tut man ja gerade beim Spinnen aus der Falte.

Gruß Wolfgang

Zuallererst, ich zweifel Deine Messergebnisse nicht an.
Es ist nicht zwingend wie von Dir beschrieben, dass man deutlich mehr als die Stapellänge um den Fingern knickt.
Bestimmte Rassen haben locker 15 cm und mehr Stapellänge, die Stücke die ich vom Kammzug abreisse sind jedenfals nicht länger.

Ich finde jeder kann da für sich die geeignete Methode finden.
Kenne sehr viele die hervorragend from the fold über den Figner spinnen, diese das aber weniger für langen Auszug praktizieren ;-)

Für mich gilt grob Kammzug kurzer Auszug Kammgarn, Vlies langer Auszug Streichgarn.
Kann aber jeder selber entscheiden

Der lange Auszug macht die teils superkurzen Fasern im Vlies erst spinnbar.
Man verkürzt bei langem Auszug die Stapellänge des Vlieses doch nicht, Vlies bzw. Rolags haben eh nen ganz anderen Aufbau als Kammzug.
Und erwähnt werden sollte evlt auch, dass es nicht nur eine Art langer Auszug gibt ;-)
Karin


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