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 Betreff des Beitrags: Re: die Dörnröschenfrage
BeitragVerfasst: Sa 29. Jan 2011, 17:09 
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Großes Wollrad

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Eine meiner Handspindeln hat unten nen Metallspitz , doch daran kann man sich ganz ordentlich stechen :-))
Karin


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 Betreff des Beitrags: Re: die Dörnröschenfrage
BeitragVerfasst: Sa 29. Jan 2011, 21:58 
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Navajo-Spindel
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Ich hab da meine eigene Theorie, auf die ich gekommen bin, nachdem ich die ersten Standspindelchen gedrechselt hatte und auf irgendeinem Mittelaltermarkt erklären sollte, wozu die gut sind und warum die in einem Schälchen laufen.

Schließlich war's ja so, dass auch die feinen und blaublütigen Mädels Handarbeiten verrichten mussten: Sticken, Nähen oder Spinnen. Meist für irgendwelche Kirchenutensilien, also Altartücher, Stolen und ähnliches.
Zum Spinnen von z.B. Seide geht nunmal so ein Standspindelchen am besten. Und jeder, der sowas schonmal probiert hat, weiss, dass die Spindel möglichst reibungsfrei in der Schale laufen sollte.
Zu dem Zweck ist sie am besten richtig spitz. Und wemmer so einem Spindelchen in der Schale zuguckt, dann stellt man fest, dass die - weil sie ja seitlich nicht wegkann und vielmehr zu "taumeln" beginnt - auch "tanzt"...

So zumindest meine Idee dazu - die ich einfach schön fand, weil da alles so gut passt. :)

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 Betreff des Beitrags: Re: die Dörnröschenfrage
BeitragVerfasst: Sa 29. Jan 2011, 22:32 
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Buch-Charka
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das gerpieckse kenn ich auch, hab sogar mal eine spindel auf den fußrücken gekriegt..auhauhau nicht nett.


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 Betreff des Beitrags: Re: die Dörnröschenfrage
BeitragVerfasst: So 30. Jan 2011, 08:13 
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Tahkli

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Immer mal wieder beeindruckend, dass man seine just gestern angedachte Frage hier im Forum diskutiert sieht! Es war ein Vergnügen, die Antworten zu lesen, wobei mir persönlich die Brombeer-Theorie äusserst gefällt. :)
Da möcht ich mich gleich märchentechnisch anschliessend und Frau Holle einbringen:
Das Mädel spinnt sich ja die Finger blutig, worauf sie dann die Handspindel im Brunnen waschen muss (und sich dabei ebenso ungeschickt anstellt, wie ich das tun würde ;)).
Die Frage nun: Kann das beim Flachsspinnen passieren (weiter oben las ich von einer Kerbe, die der Flachs mit der Zeit ins Holz gefressen hatte, würde also passen)? Andere, vielleicht bessere Frage: Ist euch das selber schon mal passiert?


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 Betreff des Beitrags: Re: die Dörnröschenfrage
BeitragVerfasst: So 30. Jan 2011, 18:46 
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Navajo-Spindel

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Klotho hat geschrieben:
Das Mädel spinnt sich ja die Finger blutig, worauf sie dann die Handspindel im Brunnen waschen muss (und sich dabei ebenso ungeschickt anstellt, wie ich das tun würde ;)).
Die Frage nun: Kann das beim Flachsspinnen passieren (weiter oben las ich von einer Kerbe, die der Flachs mit der Zeit ins Holz gefressen hatte, würde also passen)? Andere, vielleicht bessere Frage: Ist euch das selber schon mal passiert?


Erste Frage: ja.
Zweite Frage: nein, denn ich spinne immer naß, mit Wasser. Um die Fingerspitzen, d.h. die Poren der Haut, zu schließen verwendete man früher auch Kaffee oder Tee (Reste), die adstringierend wirken. Aber wir heutigen Spinnerinnen spinnen ja auch nicht so viele Stunden am Stück (Spinnen am Morgen, Kummer und Sorgen ...), daß man sich blutige Finger holt, sprich man würde vorher aufhören. Es gibt einen Bericht über ein Wettspinnen in der Lüneburger Heide, wo die Mädels einen Tag und eine Nacht durchgesponnen haben und ihnen danach wirklich das Blut von den Fingern lief (so etwa 1900).

Sigrid

_________________
Geschichte und Bedeutung des Spinnrads in Europa, gebunde Ausgabe, Shaker-Media-Verlag
http://www.spinnrad.jimdo.com


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 Betreff des Beitrags: Re: die Dörnröschenfrage
BeitragVerfasst: Do 9. Jun 2016, 13:18 
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Spinn-Stöckchen

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Aaaalso, jetzt muss ich doch auch mal meinen Senf dazu geben:

Jeder Hansel, der vor und seit den Brüdern Grimm dieses Märchen gehört hat, wusste aus eigener Anschauung, dass es an hochherrschaftlichen Flachs und/oder Wollrädern keine spitzen Teile gibt. An groben Bauern-Rädern möglicherweise schon, aber alle "nobleren" Gerätschaften waren deutlich besser geschliffen etc. Ich gehe davon aus, dass das vor Erfindung der Flügelräder auch bei Handspindeln so war. Je hochwohlgeborener, desto verletzungsungefährlicher die Gerätschaft.

Deswegen wusste jeder, der das Märchen weiland hörte, dass hier etwas anderes gemeint ist, nämlich: "Du kannst als übervorsichtiger Papi (resp. Mami) deine Tochter (resp. Sohn) so sehr in Watte packen, wie Du möchtest, es wird der Moment kommen (gern im Zusammenhang mit Pubertät und "Prinz"), in dem sich das Kind verletzen wird, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche."
Also Helikopter-Eltern gab es sicher immer schon.

Märchen sind Beispielgeschichten, in denen unglaublich viel zwischen den Zeile transportiert wird.
Diese Interpretation macht auf jeden Fall Sinn, denn sie zeigt mit augenzwinkernder Weisheit, wie das Leben wirklich ist.
Man könnte auch sagen "das Mädchen ist ein derartig vom normalen Leben unbelastetes Kind, dass es sich sogar an einer recht stumpfen Spindel stechen kann, dieses Weichei". Wie man es dreht und wendet, es geht um Lebensuntüchtigkeit und die weise Voraussicht dessen seitens der alten Weiber in der Vorgeschichte.
Fazit: Man kann sein Kind nicht vor den Unbillen des Lebens schützen - keine Chance.

Hessische Grüße!

Claudia


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 Betreff des Beitrags: Re: die Dörnröschenfrage
BeitragVerfasst: Do 9. Jun 2016, 23:28 
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Flügelspinnrad

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Kattugla hat geschrieben:
Zum Spinnen von z.B. Seide geht nunmal so ein Standspindelchen am besten. Und jeder, der sowas schonmal probiert hat, weiss, dass die Spindel möglichst reibungsfrei in der Schale laufen sollte.
Zu dem Zweck ist sie am besten richtig spitz. Und wemmer so einem Spindelchen in der Schale zuguckt, dann stellt man fest, dass die - weil sie ja seitlich nicht wegkann und vielmehr zu "taumeln" beginnt - auch "tanzt"...

So zumindest meine Idee dazu - die ich einfach schön fand, weil da alles so gut passt. :)


Sehe ich auch so.
Die haben ja damals nicht (nur) das Garn für ihre Winterpullover selbst gesponnen, sondern jegliches Garn: Nähgran, Stickgarn und Garn für allerfeinste Gewebe.
Wenn man sich die ultrafeinen Stoffe in Museen anschaut, kann man sich ohnehin nur wundern, wie die das damals gemacht haben.

Orenburgspindeln sind übrigens z.T. auch oben ganz schön spitz, ich könnte mir vorstellen, dass sich da an den Fingern mit der Zeit eine Hornhaut bildet, wenn man da immer den Faden drüberfluppt und dass man sich da unter Umständen auch stechen oder auch vom Andrehen wunde Finger bekommen kann, wenn man ungeübt ist. (So hatte ich das im Frau Holle-Märchen aufgefasst.)

Aber die ganze "Technik" schließt ja nicht aus, dass man solche Märchen auch im übertragenen Sinn verstehen kann und die Deutung, dass man seine Kinder nicht vor allem schützen kann, sehe ich bei Dornröschen durchaus auch.

LG Hummelbrummel

_________________
http://www.hummelbrummel.blogspot.de/


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 Betreff des Beitrags: Re: die Dörnröschenfrage
BeitragVerfasst: Fr 10. Jun 2016, 04:55 
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Großes Wollrad
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Registriert: Sa 12. Jul 2008, 19:50
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Maren hat geschrieben:
Moin Sinchen,

ja, an einer meiner Handspindeln habe ich mich schon gepiekst.

(.... ach deswegen fühle ich mich immer so müde..... )

Meine Handspindeln laufen oben und unten spitz zu, und unten war die eine mal sehr spitz.

Wenn ich den gesponnenen Faden aufwickle, setze ich die Spindel immer am Bein ab (egal, ob ich im Sitzen oder Stehen spinne) und drehe dort den Faden auf. Bei diesem Aufsetzen habe ich mich mal sehr gepiekst. Seit dem habe ich die Spitze etwas entschärft :lol: :lol:

LG Maren


Übrigens ist besagte und o.g. Spindel ein Replikat eines Spindelstabes aus dem 8. Jhd.
Knochen und eben oben und unten spitz zulaufend.


ClaudiaHeike hat geschrieben:
Märchen sind Beispielgeschichten, in denen unglaublich viel zwischen den Zeile transportiert wird.


Jepp, das stimmt.
Wobei nicht alles zwischenzeilig ist/sein muß
Alltagsgegenstände können einfach nur Alltagsgegenstände sein und werden auch so beschrieben, wie sie dann waren.
Natürlich kann so ein Alltagsgegenstand dann auch belegt werden mit Beispielen/Lebensweisheiten.

Sehr, sehr spannend das Thema Märchen.

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... übrigens ... Plattdeutsch ist KEIN Dialekt, sondern eine international anerkannte Sprache ! :-)
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