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BeitragVerfasst: Mi 24. Mai 2017, 10:59 
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Anonymer Nutzer

Registriert: Mi 24. Mai 2017, 10:43
Beiträge: 1
Postleitzahl: 53809
Wohnort: Ruppichteroth
Land: Deutschland
Hallo,

Ich bin schon immer ein Handarbeits begeisterter Mensch. Die Kleidung meiner Kinder nähe ich selbst, ich stricke und Häkele, selbst die Halsbänder meiner Hunde Punziere ich und Nähe sie selbst.

Und ich würde so gerne Weben erlernen. An einem Webtuhl mit verschiedenen Bindungen ect. Doch ich weiß leider nicht wie ich den Weg in das Thema finde. Welchen Webstuhl ich benötige um auch verschiedene Bindungen weben zu können. Ich habe gelesen das mit nicht jedem Webstuhl alle Bindungen möglich sind.

Ich komme aus dem Rhein-Sieg kreis und wüsste gerne wie ich in das Thema fein finden kann.

Hättet ihr Tipps für mich?

Wie habt ihr das Weben erlernt?

Danke schön und einen wunderschönen sonnigen Tag

Rebecca


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BeitragVerfasst: Fr 26. Mai 2017, 16:25 
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Spinning-Jenny
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Registriert: Mo 7. Jul 2008, 01:10
Beiträge: 3624
Postleitzahl: 24943
Wohnort: Flensdorf
Land: Deutschland
Hallo Rebecca,

ich habe auf einem Webrahmen mit Gatterkamm angefangen zu weben. Das Aufziehen der Kette habe ich mir das erste Mal von einer befreundeten Hobbyweberin zeigen lassen.

Später ist mir dann ein kleiner Lervad-Webstuhl (Kontermarsch, aber ohne Streichbäume, 80cm Webbreite, zusammenklappbar) zugelaufen. Darauf habe ich zwei drei Stücke gewebt und dabei gemerkt, dass ich mit der Verschnürung ohne entsprechenden Kurs und nur über Bücher nicht klarkomme. Ich hatte große Probleme dabei, das ganze Gebändsel, welches die Wippen, Querschemel, Schäfte und Tritte verbinden so einzustellen, dass die Schäfte schön auf einer Höhe sind und alle mit gleichmäßigem Fach öffnen. Das ist eine Wissenschaft für sich, weil das ja alles miteinander verbunden ist.

Dazwischen hatte ich mir noch einen Webkurs bei der vhs geleistet. Dort habe ich mir das Kette schären nochmal ganz ausführlich zeigen lassen und zwei Teppiche auf einem zweischäftigen Hochwebstuhl gewebt. Leider war dort aber die Warteliste für das Weben an einem mehrschäftigem Webstuhl so lange, dass dies nicht möglich war. Zumal mich ja die Verschnürung brennend interessiert hätte ... die Webstühle aber alle auf verschiedene Webmuster fix eingerichtet waren, da die meisten Teilnehmer nur an einem fertig vorbereiteten Webstuhl ihre Stücke abweben wollten.

Deshalb habe ich mich dann von diesem kleinen Kontermarsch-Webstuhl getrennt und mir einen Tischwebstuhl gebraucht zugelegt. Ein Tischwebstuhl hat keine Tritte. Man kann bei einem solchen jeden einzelnen Schaft durch einen Hebel o.ä. bewegen. Dadurch entfällt das Verschnüren der Tritte.

Leider musste dann mein Handarbeitszimmer einem Kinderzimmer weichen und der Webstuhl ist seitdem zerlegt eingemottet und ich habe mir einen Zusammenklappbaren Knitters-Webrahmen geleistet.
Damit praktiziere ich am liebsten das Freestyle-Weben angelehnt an das Saori-Weben, da ich für komplizierte regelmäßige Muster einfach nicht genügend ungestörte Webzeit zur Verfügung habe.

Zitat:
Hättet ihr Tipps für mich?

Vielleicht wäre es eine gute Idee, vor einem Webstuhlkauf einen ausführlicheren Webkurs zu besuchen? Dort könntest Du erst mal ausprobieren, ob Dir das ganze Spaß macht und auch mal real erleben, wie viel Vorabeiten überhaupt notwendig sind, bevor man überhaupt eine Kette abweben kann. Das wird nämlich meistens total unterschätzt.

Dass so wie hier bei mir die vhs Webkurse anbietet, ist eher die Seltenheit.
Trotzdem könntest Du einfach mal 'gockeln' ob es Kurse in Deiner Nähe gibt.
Zusätzlich dazu, könntest Du im Netz nachforschen, ob es Handwebereien oder fortgeschrittenere Hobbyweber in Deiner Nähe gibt. Dort könntest Du nachfragen, ob Kurse angeboten werden oder Du einfach mal zum Schauen und Mithelfen hinkommen könntest.

Wenn es Dir zeitlich und finanziell möglich ist, wäre natürlich ein Ferienwebkurs eine weitere gute Möglichkeit.
Schaue dabei aber immer, dass es sich NICHT um einen Kurs handelt, wo man auf schon fertig eingerichtete Webstühlen webt. Denn da wirst Du nicht die nötigen Vorbereitungsschritte lernen.

Zwei gute Adressen zum Handweben lernen sind diese beiden hier:
http://werkhof-kukate.de/
http://www.haus-der-handweberei.de/
Beide bieten neben Schnupper-, Anfänger- und Fortgeschrittenenkursen zu den unterschiedlichsten Themen auch eine Berufsausbildung zur Handweberin/zum Handweber an. Beide nach eigenem System ... sind sozusagen zwei Konkurrenten mit unterschiedl. Ausbildungssystem.

Vielleicht wäre es ganz gut, wenn Du Dir für den Anfang erst mal ein Buch über das Weben und Webstühle zulegst, damit Du dort überhaupt erst mal nachschauen kannst, was sich hinter all' den Begriffen verbirgt, welche unterschiedlichen Webstühle es gibt ... usw.
Daaaaas deutschsprachige Standardwerk zum Weben mit dem mehrschäftigen Webstuhl ist derzeit das Handbuch Weben von Erika Arndt
Die Anschaffung lohnt sich wirklich. Auch später wirst Du es immer wieder in der Hand haben, um das eine oder andere Nachzuschlagen. Wenn Du Glück hast, hat vielleich Deine örtliche Bücherei die Webliteratur aus den 80er Jahren noch nicht aussortiert und es findet sich dort auch noch die eine oder andere nette Lektüre zu dem Thema.

Ganz grob fallen mir jetzt diese unterschiedlichen Webstuhltypen ein:
Tischwebstuhl - heben der Schäfte mit Handhebeln, keine Tritte
Jack Loom (keine Ahnung ob es dafür auch einen dt. Begriff gibt). Hier werden die Schäfte z.B. durch Federn hochgedrückt und mittelst Tritten wieder gesenkt. Man kann die Schäfte unabhängig von einander bewegen.
Webstuhl mit Rollenzug - da hier auf jeder Seite der Rolle, die gleiche Anzahl von Schäften hängen muss, ist man hier mit der Bemusterung etwas eingeschränkter, da halt nicht jeder Schaft unabhängig von den anderen bewegt werden kann.
Kontermarschsystem - hier werden für die Fachbildung der eine Teile der Schäfte gehoben und der andere gesenkt. Das geht hier auch in jeder gewünschten Kombination.

Neben den unterschiedlichen Systemen zum Bewegen der Schäfte, spielen aber noch viele andere Dinge bei der Auswahl des Webstuhles mit rein. Oftmals stellt man diese auch erst mit etwas Erfahrung fest.

Hast Du Rückenprobleme?
Kannst Du bequem davor sitzen? Paßt die Sitz- und Arbeitshöhe ... usw.?

Wie beweglich bist Du, kannst Du Dich noch überallhin zwischen Deinen Webstuhl schlängeln?
Kommst Du bequem an die Schäfte zum Litzenstechen? Ist der Webstuhl groß genug, um sich dafür ggf. in den Webstuhl mittenhinein zu setzen? Kann man evtl. Streichbäume, Teile des Seitengestells für die Vorbereitungsarbeiten abnehmen, damit der Webstuhl sozusagen begehbar wird?

Wieviel Geld hast Du zur Verfügung?
Kannst Du es Dir leisten einen neuen Webstuhl zu kaufen?
Willst Du Dich auf die Suche nach einem Gebrauchten machen?

Hast Du die Möglichkeit, Dir alles in Kursen beibringen zu lassen, oder bist Du gezwungen, alle Schritte in Eigenregie zu erlernen?

Aber eine der wichtigsten Fragen bei der Auswahl des Webgerätes überhaupt:
Wieviel Platz steht Dir überhaupt dafür zur Verfügung?

So ein Webstuhl frißt regelrecht Platz. Es reicht ja nicht der Platz gemäß den Außenmaßen des Webstuhles.
Wenn Du diese stabförmigen Schiffchen verwenden willst, brauchst Du ja nochmal links und rechts eine Schiffchenlänge bzw. Webbreite Platz. Zum Einrichten des Webstuhles wäre es sehr praktisch, wenn Du rund um Deinen Webstuhl herumlaufen könntest oder ihn zumindest von der Wand abrücken, so dass Du drumherum Platz hast.
Hast Du dann noch Platz um einen Schärbaum oder Schärrahmen aufstellen (oder -hängen) zu können (oder ist ein Schärrahmen in den Webstuhl mit eingebaut)?

Und hast Du schon irgendwelche Vorstellungen, was Du weben willst?
Für dicke Teppiche bräuchte es evtl. ein anderes Gerät als für feine Leinenstoffe ... nur so als Beispiel.

Ich persönlich würde eher klein anfangen ... mit einem Gatterkamm-Webrahmen (wie z.B. die von Knitters-Loom, Rigid Heddle Webrahmen von Ashford, der Harfe von Kromski o.ä.). Wenn man einen nicht zu breiten faltbaren Rahmen nimmt, ist das Teil wirklich gut transportierbar und kann z.B. später noch im Urlaub, im Ferienhaus oder so zum Einsatz kommen.

Oder wenn Du unbedingt scharf bist auf die Bemusterung mit mehrere Schäften, würde ich mir überlegen einen Tischwebstuhl zu kaufen. Selbst wenn später ein großer Webstuhl mit Tritten dazukommt, behalten viele WeberInnen den Tischwebstuhl um mit ihm einfacher und schneller Muster ausprobieren zu können als mit einem Tritt-Webstuhl. Also von daher schon eine lohnende Investition ... insbesondere wenn man darauf achtet, dass man das Modell später auf mehr als 4 Schäfte aufrüsten kann oder von vorneherein mehr hat ...

Soweit erst mal meine Gedanken.

lg spinntantchen

P.S. vielleicht magst Du Dich hier im internen Bereich nochmal kurz vorstellen (wie es bei uns in den Regeln steht). Dann wird Dein Forennick neben dem Beitrag auch entfärbt und Du kannst dann alle Forenbereich und Funktionen nutzen.

_________________

Meine Seiten: www.spinntantchen.de und www.nadelbindung.de



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BeitragVerfasst: Fr 9. Jun 2017, 09:13 
Online
Taiga-Rad

Registriert: Sa 12. Jul 2008, 12:48
Beiträge: 906
Postleitzahl: 44670
Ich hab' auch mit einem Gatterkammwebrahmen angefangen und kann den nur empfehlen - ich verwende ihn für manche Projekte nämlich immer noch (ich hab' 60 cm Breite, das reicht für vieles). Kette schären und aufbäumen kann man da genauso wie am Webstuhl (sprich, die Hälfte der Arbeit), die Probleme mit den Schäften bleiben einem erst mal erspart und das Anschlagen und Kette weiterdrehen ist wieder wie beim Webstuhl. Also ein wirklich sinnvoller, erleichterter Einstieg.

Zum Weben lernen am Webstuhl mit vier Schäften empfehle ich Deborah Chandlers Learning to Weave wenn du Englisch liest (vor den Fachausdrücken brauchst du keine Angst haben, die werden erklärt. Aber für die Wörter um die Fachterminologie rum solltest du kein Lexikon brauchen), das ist das beste Buch, das ich gefunden habe. Gibt's auch günstig gebraucht.

Webende Freundinnen wären auch praktisch - über die bin ich auch an meinen Webstuhl gekommen, gebraucht neuwertig, geliefert und eingerichtet für einen sehr guten Preis. Die könntest du in einem Kurs finden, oder über Spinntreffen oder sonstige Textilbezogene Veranstaltungen.

Was Rollenzugwebstühle angeht: Es wird oft behauptet, dass mit denen Manches nicht webbar wäre - mir ist aber noch keine einzige unmögliche Bindung begegent (ich hab' den 4-schäftigen Glimakra Ideal in Rollenzugausführung). Man ist allerdings mehr oder weniger auf 4, eventuell maximal 6 Schäfte begrenzt - habe ich gelesen ;) Aber mit 4 Schäften kann man ein Leben lang arbeiten ohne sich zu wiederholen...

Dann gibt's übrigens auch noch Techniken, die ganz ohne Webstuhl auskommen und weniger Platz brauchen - Brettchenweben z. B., oder Triloom-Weaving (eigentlich eine Flechttechnik, aber man kriegt Dreieckstücher, die gewebt aussehen), oder die Pin-Looms ( = Zoom-Loom - halb wickeln, halb Socken stopfen).

Ciao, Klara

_________________
http://www.lahottee.info


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